GESELLSCHAFT


Warum ist es so schwer vom Rauchen loszukommen?

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Baku, den 17. März (AZERTAG). Millionen Menschen sind vom Rauchen abhängig. Die meisten von ihnen wollen damit aufhören. Aber warum ist es so schwer davon loszukommen? Welche Methoden sind effizient und welche nicht. Teerlungen, faulige Zehen, Rachenkrebs, ausgefallene Zähne: Ab 2016 sollen auch in Europa Schockbilder auf Zigarettenpackungen den Rauchern die Lust am blauen Dunst nehmen. Die simplen Warnhinweise, die seit gut zehn Jahren in allen Mitgliedsstaaten der EU auf den Packungen vorgeschrieben sind, hatten nur mäßigen Erfolg.

Immerhin rauchen noch Millionen Menschen und ignorieren die Gesundheitsrisiken ihrer Sucht. Die drastischen Bilder sollen bald das schaffen, was den Hinweisen bislang nicht gelang: zum Ausstieg animieren.

Doch Mediziner bezweifeln, dass die in der EU geplanten Schockbilder auf Zigarettenpackungen bei vielen Süchtigen eine große Wirkung haben werden. Wer raucht, bei dem ist die Aktivität im Furchtzentrum des Gehirns so weit herabgesetzt, dass er wenig empfänglich ist für die abschreckenden Darstellungen. Denn Rauchen ist nicht einfach nur eine schlechte Angewohnheit. Es ist eine Sucht. Und eine Sucht ist stärker als die Angst vor schlimmen Krankheiten.

Nikotin ist der Stoff in der Zigarette, der das Verlangen auslöst. Tabakpflanzen stellen ihn in ihren Blättern her, um sich lästige Parasiten vom Leib zu halten. Sollten sich gefräßige Insekten über das Grün hermachen, sterben sie.

Nikotin ist ein starkes Nervengift, auch für den Menschen, und „giftiger als Arsen oder Zyankali“, warnen Krebsforscher. Die tödliche Wirkung beim Menschen hat die Substanz allerdings nur, wenn es in einer Dosis von etwa 50 Milligramm auf einmal aufgenommen wird.

Eine Zigarette enthält bis zu 13 Milligramm Nikotin, davon werden beim Rauchen zwischen ein und zwei Milligramm pro Zigarette aufgenommen. Bei einem Konsum von 20 Zigaretten pro Tag werden somit zwischen 20 und 40 Milligramm Nikotin über den Tag verteilt aufgenommen.

Mit dem Inhalieren des Zigarettenrauchs gelangt das Nikotin binnen Sekunden über die Lunge ins Gehirn. Hier entfaltet es seine Wirkung. Es dockt an die Acetylcholin-Rezeptoren der Nervenzellen an und regt so das Belohnungszentrum an. Ein Wohlgefühl breitet sich aus. Auch Hirnregionen, die Wachheit und Aufmerksamkeit steuern, werden durch den Suchtstoff aktiviert.

Damit das angenehme Gefühl nicht abflaut, müssen der ersten Zigarette weitere folgen. Ein Kreislauf der Abhängigkeit beginnt, der nur schwer zu durchbrechen ist. Bleibt der Nachschub aus, reagiert das Nervensystem mit körperlichen und psychischen Entzugssymptomen: Unruhe, Schlafstörungen, Gereiztheit und Unkonzentriertheit. Der Körper brüllt nach mehr – und wird durch den Griff zur nächsten Zigarette besänftigt.

Die Studien zeigen, dass Sucht mehr als ein Begehren ist. Und viel übler als eine lästige Gewohnheit. Denn die Nikotinsucht verändert das Gehirn. Die Forscher wollten herausfinden, ob Schockbilder einen Einfluss auf die Entscheidung haben, mit dem Rauchen aufzuhören.

Für ein kleines Experiment wurden 28 jüngere Versuchsteilnehmer eingeladen. Diese waren zur Hälfte Raucher, zur anderen Hälfte Nichtraucher. Ihnen wurden jeweils Fotos von fröhlich gestimmten, angsterfüllten und neutralen Gesichtern gezeigt. Gleichzeitig scannten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Probanden im Magnetresonanztomografen.

In Fokus der Forscher stand die Amygdala, auch Mandelkern genannt. Diese Nervenstruktur ist das Furchtzentrum des Gehirns. Im ersten Scan zeigten sich bei Rauchern und Nichtrauchern keine Unterschiede. Emotionen wurden in beiden Gruppen ähnlich verarbeitet.

Hatten die Raucher aber eine zwölfstündige Abstinenz hinter sich, war ihr Gehirn wie verwandelt. Die Aktivität des Furchtzentrums war bei ihnen stark herabgesetzt. Bilder von ängstlichen Menschen waren ihnen schlicht egal.

Das Fazit der Studie: Nur solange Raucher Nikotin aufnehmen, funktioniert ihre Amygdala normal. Die veränderte Funktion im Gehirn erklärt, warum es so schwer ist, das Rauchen dauerhaft einzustellen.

 

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