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Weltbank meldet einen Erfolg im Kampf gegen die bitterste Armut

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Baku, 5. Oktober, AZERTAC

Die Weltbank meldet einen Erfolg im Kampf gegen die bitterste Armut. Zum ersten Mal leben unter zehn Prozent der Weltbevölkerung mit weniger als 1,90 Dollar am Tag.

Der Anteil der Ärmsten an der Weltbevölkerung könnte einem Bericht des „Guardian“ zufolge in diesem Jahre zum ersten Mal seit Beginn der statistischen Erfassung unter die Zehn-Prozent-Marke fallen. Nach Berechnungen der Weltbank sind in diesem Jahr 702 Millionen Menschen von extremer Armut betroffen - 9,6 Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2012 lag der Wert mit 902 Millionen oder 12,8 Prozent noch deutlich höher.

„Das ist heute die beste Nachricht, die wir der Welt heute zu bieten haben“, zitiert die britische Zeitung Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. "Die Berechnungen zeigen, dass wir die erste Generation seit Menschengedenken sind, die extreme Armut auf der Welt beenden kann.“

Zur Linderung der Not hätte die weltweite Konjunktur in den vergangenen Jahren beigetragen, erklärte Kim. Starkes Wachstum hätten insbesondere die aufstrebenden Volkswirtschaften in Schwellenländern wie Indien verzeichnet. Auch die Investitionen in Bildung, Erziehung und im Gesundheitswesen hätten sich positiv ausgewirkt.

Die Frage, wie viele Menschen in extremer Armut leben, ist allerdings davon abhängig, wo man die Grenze setzt. Lange Zeit galten Menschen als extrem arm, wenn sie nicht mehr als 1,25 Dollar am Tag zu Verfügung hatten. Nicht wenige Wissenschaftler hatten den Wert vor dem Hintergrund hoher Lebensmittelpreise wiederholt als zu niedrig kritisiert. Inzwischen zieht die Weltbank die Armutsgrenze bei 1,90 Dollar pro Tag.

Risiko Weltkonjunktur - Unsicher ist auch, ob sich die Armut dauerhaft zurückdrängen lässt. Denn die Zeit ungestümen Wachstum scheint erst einmal vorüber zu sein. In ihrer jüngsten Analyse senkte die Weltbank ihre Wachstumsprognose für Ostasien und den Pazifikraum für dieses und nächstes Jahr. Der Ausblick werde vom Risiko einer starken Konjunkturabkühlung in China und möglichen Nebenwirkungen durch die erwartete US-Zinserhöhung getrübt, heißt es in dem Papier.

Die Weltbank rechnet für Ostasien und den Pazifikraum nun nur noch mit einem Wachstum von 6,5 Prozent für 2015 und 6,4 Prozent für 2016. Im April hatte die Weltbank für die Jahre jeweils noch 6,7 Prozent in Aussicht gestellt. Für China geht die Weltbank von einem Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent in diesem Jahr und 6,7 Prozent im nächsten Jahr aus. Zuvor hatte sie noch 7,1 Prozent beziehungsweise sieben Prozent prognostiziert.

In Russland wird die Wirtschaft nach Einschätzung der Experten sogar schrumpfen, und zwar um 3,8 Prozent. Die Rezession treffe die Bevölkerung hart und sorge zunehmend für Armut, erklärte die Weltbank-Expertin Birgit Hansl. Sie bescheinigte den russischen Behörden jedoch, die Wirtschaft erfolgreich stabilisiert zu haben. Dennoch werde die Regierung in Moskau finanzpolitisch bald umfassende Schritte einleiten müssen, um die Folgen des niedrigen Ölpreises abzufedern. Erst 2017 sei wieder mit einem Aufschwung zu rechnen.

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