GESELLSCHAFT


Weltweit sind Lebensmittelinfektionen ein deutlich größeres Problem

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Baku, 4. Dezember, AZERTAC

Pro Jahr erkrankt fast ein Zehntel der Menschheit durch den Konsum verunreinigter Lebensmittel, Hunderttausende sterben daran. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation erfasst auch, welche Erreger in Europa die meisten Probleme bereiten.

Mettbrötchen, Sushi, rohe Sprossen, Tiramisu - all diese und noch viele andere Speisen können Bakterien und Viren enthalten, die krank machen. In Europa ist das Risiko zwar vergleichsweise gering, sich eine Lebensmittelinfektion zuzuziehen, zeigt ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO. (Diese Länder zählt die WHO zur europäischen Region.)

Doch auch hier erkranken pro Jahr rund 23 Millionen Menschen durch verunreinigtes Essen oder kontaminierte Getränke. 5000 Menschen sterben an den Folgen dieser Krankheiten.

Das gefährlichste Problem in Europa sind laut dem Bericht Infektionen mit Salmonellen, die für knapp 2000 dieser Todesfälle verantwortlich sind. Die meisten Krankheitsfälle - insgesamt rund 15 Millionen jährlich - sind auf Noroviren zurückzuführen. Diese Erreger können auch durch Kontakt mit Erkrankten oder kontaminierte Oberflächen übertragen werden. Die WHO hat für den Bericht deshalb berechnet, welcher Anteil der Norovirus-Fälle auf den Verzehr kontaminierter Lebensmittel zurückgeht - es ist knapp ein Viertel.

Knapp fünf Millionen Menschen in Europa erkranken pro Jahr an einer Durchfallerkrankung, die von Bakterien der Gattung Campylobacter ausgelöst wird. Etwa eine Million erkrankt nach dem Verzehr verunreinigter Lebensmittel an Toxoplasmose, ausgelöst vom Parasiten Toxoplasma gondii.

Weltweit sind Lebensmittelinfektionen noch ein deutlich größeres Problem als in Europa, insbesondere in Regionen, in denen Lebensmittelproduzenten und Händler keine so strikten Hygienevorschriften einhalten müssen.

Auf der Erde erkranken laut dem Bericht pro Jahr rund 600 Millionen Menschen, weil sie verunreinigte Lebensmittel konsumiert haben. 420.000 sterben, fast 30 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren. Das größte Problem stellen Lebensmittelinfektionen in Afrika und Südostasien dar.

Es ist der erste Bericht der WHO, der sich diesen Krankheiten widmet. "Bis jetzt waren die Schätzungen zu Lebensmittelinfektionen vage und ungenau", sagt WHO-Direktorin Margaret Chan. "Das Wissen, welche Erreger die größten Probleme in welchen Teilen der Welt verursachen, kann zu gezielteren Maßnahmen in der Gesellschaft, durch Regierungen und durch die Lebensmittelindustrie führen."

Mehr als die Hälfte der Lebensmittelinfektionen machen sich als Durchfallerkrankungen bemerkbar, schreibt die WHO. Diese würden meist durch Noroviren, Campylobacter, Salmonellen oder krankmachende E.-coli-Stämme verursacht.

Dazu kommen Typhus, der durch die Bakterienart Salmonella typhi verursacht wird, Hepatitis A, der Schweinebandwurm und durch sogenannte Aflatoxine ausgelöste Erkrankungen. Aflatoxine sind Pilzgifte, die unter anderem auf angeschimmeltem Getreide entstehen können.

Viele Lebensmittel können Erreger oder Giftstoffe enthalten, oft reicht kräftiges Durchgaren, um die Gefahr einer Infektion zu bannen. Durch die Hitze werden beispielsweise Salmonellen neutralisiert, die in Geflügel oder Eiern stecken können, oder der Parasit Toxoplasma gondii, der in rohem Fleisch zu finden ist.

Nicht nur Fleisch und Eier können Erreger beherbergen. Rohmilchkäse kann zum Beispiel in seltenen Fällen riskant sein, wenn er Listerien enthält - deshalb wird Schwangeren vom Verzehr abgeraten. Rohes Gemüse kann ebenfalls mit Krankheitserregern belastet sein. So wurde der Ehec-Ausbruch in Norddeutschland im Jahr 2011 auf eine Charge verunreinigter Sprossen zurückgeführt.

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