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Wenn Irrtümer tödlich enden

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Baku, den 15. März (AZERTAG). Fehler bei der Opferwahl werden mit dem Tod bestraft: Um zwei Pflanzenarten in Peru ist ein Lebensraum für spezialisierte Räuber entstanden. Wespen fressen Fliegen - und Fliegen fressen Pflanzen.

Ein komplexes Räuber-Beute-Netzwerk auf kleinstem Raum haben Forscher im Südosten Perus aufgespürt. Auf den Blüten zweier Pflanzenarten fanden sie 14 verschiedene Bohrfliegen (Blepharoneura) und ebenso viele Schlupfwespenspezies. Die meisten der Wespen seien extrem spezialisiert, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Science“. Ihr Nachwuchs, den sie als Ei in anderen Insekten ablegen, überlebe nur in einer einzigen Fliegenart.

Das Team um Marty Condon vom Cornell College in Mount Vernon (US-Bundesstaat Iowa) hatte 3636 Blüten zweier zu den Veilchenartigen zählenden Pflanzen (Gurania acuminata, Gurania spinulosa) gesammelt. Darauf zählten sie 1478 Puppenhülsen von 14 Bohrfliegenspezies sowie 18 darin heranwachsenden Parasitenarten, 14 davon Schlupfwespen der Gattung Bellopius.

Gelingt es den Schlupfwespen, ihre Eier in den Fliegen abzulegen, frisst der Wespennachwuchs die Fliegen von innen auf. Sowohl die verschiedenen Fliegen als auch die Wespen ähnelten sich sehr, schreiben die Forscher. Sie hatten abgewartet, welche Fliege oder Wespe aus der jeweiligen Hülse schlüpfte und die Tiere zudem mit molekularbiologischen Methoden eingeordnet.

Tödliche Beute – Die meisten der Wespen sind demnach auf eine einzige Bohrfliege zur Eiablage spezialisiert, ihr Nachwuchs landet aber immer wieder auch in Eiern und Larven anderer Arten - wo er verendet. „Die Beute ist tödlich für den Räuber“, wird Condon in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

Überraschenderweise seien auch die Fliegen extrem spezialisiert: Die meisten ernährten sich von einem bestimmten Gewebe entweder der weiblichen oder der männlichen Blüten einer einzelnen Gurania-Art. Es sei sehr ungewöhnlich, dass eine so kleine ökologische Nische von so vielen sich gleichenden Räuber-Beute-Kombinationen bewohnt werde, heißt es in der Studie. Das in einem winzigen Ausschnitt der Tropen gefundene Netzwerk zeige, welch große Vielfalt es dort noch zu entdecken gebe.

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