GESELLSCHAFT


Wer Bus und Bahn fährt, senkt das Risiko für Übergewicht

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Baku, den 20. August (AZERTAG). Wer Bus und Bahn fährt, bringt Bewegung in seinen Alltag - und senkt wahrscheinlich das Risiko für Übergewicht.

Pendler kennen das: Die Anschlussbahn steht schon auf dem Gleis gegenüber, die Tür piept. Also hechtet man aus dem Zug, macht zwei Sprünge über die Plattform, einen dritten in die Bahn - geschafft. Der unfreiwillige Sprint am Morgen hat einen erfrischenden Nebeneffekt: Er treibt den Puls in die Höhe - und das ist gesund. Das meinen auch die Autoren einer aktuellen Studie im „British Medical Journal“.

Laut der Untersuchung sind Menschen, die morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln, schlanker als Menschen, die sich einfach ins Auto setzen und vor die Tür der Arbeit fahren. Dabei unterscheiden sich die Bus- und Bahnfahrer laut den Ergebnissen figürlich nicht von denjenigen, die morgens mit Rad oder zu Fuß zur Arbeit kommen.

Um den Zusammenhang zwischen der Art zu pendeln und den Kilos auf der Hüfte zu ergründen, analysierten die Forscher um Ellen Flint von der London School of Hygiene and Tropical Medicine die Daten von mehr als 7500 Briten. Bei allen hatte eine Krankenschwester den Body-Mass-Index (BMI) oder den Körperfettanteil erfasst, in den meisten Fällen auch beides. Die zwei Werte gelten als gute Maßeinheiten, um Übergewicht zu bestimmen.

Erreichten Männer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß die Arbeit, war ihr BMI im Schnitt etwa einen Punkt niedriger als der von Männern, die das Auto als Transportmittel nutzten. Dies entsprach für den Durchschnittsmann der Studie (43 Jahre alt, 1,76 Meter groß und 86 Kilo schwer) einem geringeren Gewicht von ungefähr drei Kilogramm. „Das Ausmaß der Effekte, das wir in unserer Studie beobachtet haben, war klinisch bedeutend“, schreiben die Forscher.

Bei den Teilnehmerinnen kamen ihre statistischen Analysen zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach haben Frauen, die sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder aktiv zur Arbeit bewegen, einen durchschnittlich 0,7 Punkte geringeren BMI als Autofahrerinnen. Bei der Durchschnittsfrau unter den Teilnehmerinnen (43 Jahre alt, 1,63 Meter groß, 72,8 Kilogramm schwer) machte dies einem Unterschied von etwa 2,5 Kilogramm.

Auch bei der Untersuchung zum Körperfettanteil waren Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel im Schnitt schlanker als die Autofahrer. Die Ergebnisse beider Analysen blieben bestehen, als die Forscher den Einfluss weiterer Faktoren wie Alter, Ernährung und sportliche Aktivitäten auf das Gewicht herausrechneten.

Die Studie könne zwar nicht mit absoluter Sicherheit nachweisen, dass die Art der Fortbewegung zur besseren Figur geführt hatte und nicht etwas anders, räumen die Forscher ein. Trotzdem, so ihr Rat: Das Umsteigen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel könnte eine Möglichkeit sein, den Kampf gegen Übergewicht anzugehen.

Zu wenig Bewegung gilt als die vierthäufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod. Jährlich sterben mehr als fünf Millionen Menschen weltweit, weil sie in ihrem Alltag kaum einen Fuß vor den anderen setzen, errechneten Forscher der Harvard University 2012. Auf der anderen Seite belegt eine Reihe an Studien die positiven Effekte von Sport auf Psyche, Diabetes, Cholesterinspiegel und Bluthochdruck.

Wer aktiver werden und seinem Körper etwas Gutes tun möchte, muss auch nicht gleich alle Freizeitbeschäftigungen durch Sport ersetzen. Kürzlich hatte eine Studie gezeigt, dass schon fünf Minuten Joggen pro Tag das Herz schützen können - vielleicht gerade die fünf Minuten, die Pendler morgens zur Haltestelle rennen.

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