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Wer ein Herz erobern möchte, sollte für das erste Treffen einen aufregenden Ort wählen

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Baku, den 7. November (AZERTAG). Wann bedeuten weiche Knie aufkeimende Liebe, und wann ist es schlicht Furcht? Ein pfiffiges Experiment zeigt: Wer ein Herz erobern möchte, sollte für das erste Treffen einen aufregenden Ort wählen.

Das Herz schlägt vor Aufregung schneller, im Bauch fühlt es sich komisch an, man ist nervös und ein bisschen unsicher. So fühlt es sich doch an, wenn... ja, wenn man verliebt ist. Oder aber wenn man über eine lange und äußerst wackelige Brücke läuft, die in großer Höhe über einem Fluss hängt.

Das haben sich 1974 die Psychologen Donald Dutton und Arthur Aron von der University of British Columbia gedacht – und sich gefragt, ob Menschen die gleichen Signale ihres Körpers auf unterschiedliche Weisen interpretieren können: In diesem Beispiel also etwa als Verliebtheit oder als Angst.

Sie schickten männliche Versuchspersonen über die Capilano Canyon Hängebrücke in North Vancouver. Diese hängt in 76 Metern Höhe, ist 137 Meter lang – und so wackelig, dass sie mit dem Wind schwingt. Eine zweite Gruppe Männer lief dagegen über eine kleinere stabile Brücke in der Nähe.

Am Ende beider Brücken wartete eine junge Frau. Sie trug den Probanden auf, eine kurze Geschichte zu einem gezeigten Bild zu schreiben. Dann gab sie ihnen ihre Telefonnummer, falls es später Rückfragen zur Studie geben sollte.

Tatsächlich wurde sie oft angerufen – und zwar vor allem von den Männern, die über die Wackelbrücke gegangen waren. Sie hatten die Signale ihres Körpers nicht als Angst interpretiert, sondern als Aufregung der Frau gegenüber.

Bewusst war ihnen das aber nicht: Nach den Gründen für den Anruf befragt, gaben die Männer an, dass die Dame schöne Augen gehabt habe oder sehr freundlich gewesen sei.

Eine ziemlich selbstwertdienliche Interpretation, die aber vor allem eines zeigt: Die physiologische Basis von Gefühlen ist häufig die gleiche. Welches Gefühl aber tatsächlich wahrgenommen wird, entscheidet sich anhand der Gründe, die die Umgebung anbietet.

Eine ziemlich selbstwertdienliche Interpretation, die aber vor allem eines zeigt: Die physiologische Basis von Gefühlen ist häufig die gleiche. Welches Gefühl aber tatsächlich wahrgenommen wird, entscheidet sich anhand der Gründe, die die Umgebung anbietet.

Dieses klassische Experiment untermauerte die 1962 entwickelte Theorie von Stanley Schachter und Jerome Singer, nach der Menschen ihre Umgebung nach Schlüsselreizen absuchen, um ihre Körpersignale deuten zu können. Die Studie ist daher inzwischen fester Bestandteil der Psychologiekurse an Universitäten.

Auch die Beziehungsexpertin Helen Fisher an der Rutgers University berichtet in ihren Vorlesungen regelmäßig von dem Experiment. Ihre Anekdote zeigt, dass die Verführung groß ist, diese Theorie zum eigenen Vorteil in die Praxis umzusetzen – nur ist das nicht so einfach wie gedacht.

Sie erzählt, dass einer ihrer Student eifrig mitschrieb, als es um dieses Thema ging. Dann lud er das Mädchen, das ihn schon lange interessierte, taktisch klug nicht zum Essen, sondern zu einer aufregenden Rikscha-Fahrt ein.

Als Helen Fisher später nachfragte, wie es denn gelaufen sei, gab der Student zu, dass das Ganze – leider – wunderbar funktioniert habe. Denn das Mädchen habe nach der Fahrt laut ausgerufen: „Das hat so seinen Spaß gemacht! Und Himmel war dieser Rikscha-Fahrer gut aussehend!“

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