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Westantarktis gilt neben Grönland als eine der größten Risikoregionen des Klimawandels

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Baku, 23. Mai, AZERTAC

Sie sind um vier Meter geschrumpft: Bislang stabile Gletscher im Westen der Antarktis beginnen zu tauen - das zeigen Messungen von Höhe und Schwerkraft.

Die Gletscher im Südwesten der Antarktischen Halbinsel galten als robust. Während Eismassen in der Nachbarschaft seit Langem schrumpfen, blieb ihre Masse gleich. Doch seit fünf Jahren taut es auch im Südwesten des Kontinents. Der westliche Rumpf jener fingerförmigen Landzunge, die nach Südamerika ragt, verliert Eis. Das zeigen Daten von Satelliten, die Höhe und Masse des Eises messen.

Demnach schrumpfte das Inlandeis seit 2009 auf der Küstenlänge von gut 700 Kilometern um 56 Milliarden Tonnen (Gigatonnen) pro Jahr - die Menge an Schmelzwasser hebt den Meeresspiegel um rund 0,15 Millimeter.

Die Gletscher der Region entlang der Bellingshausen-See tragen folglich zum Eisverlust der Antarktis bei: Die Westantarktis verliere jährlich insgesamt 147 Gigatonnen, diagnostiziert die Uno in ihrem aktuellen Sachstandsbericht. Eine neuere Bestandsaufnahme von 2014 zeigte einen etwas schwächeren Verlust von rund 128 Gigatonnen.

Als Grund für die neu entdeckte Schmelze vermuten die Studienautoren der britischen Bristol University und des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) eine Kettenreaktion: Wegen des Klimawandels hätten sich Ozeanströmungen erwärmt, was sich bis ins Hinterland auswirke.

Bröckelnder Riegel - Das wärmere Wasser schmilzt offenbar die Unterseite des Schelfeises, das vor der Küste im Meer liegt und die Gletscher dahinter blockiert. Der Sperrriegel bröckele, so dass auch die Gletscher im Hinterland verstärkt talwärts strömten, meinen die Experten.

Manche Eiszungen seien um vier Meter geschrumpft, berichten die Forscher im Magazin „Science“. Satelliten, die Veränderungen der Schwerkraft messen, hätten den Masseverlust bestätigt.

Erst kürzlich hatten Glaziologen Ähnliches von den Gletschern der Amundsen-See in der West-Antarktis berichtet. Dort tauen die Eismassen stärker als zuvor, schrieben Wissenschaftler im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Die Region habe von 2003 bis 2011 jährlich rund hundert Milliarden Gigatonnen Eis verloren. Allein das Schmelzwasser dieses Gebiets dürfte den Meeresspiegel um knapp 0,3 Millimeter pro Jahr gehoben haben.

Die Westantarktis gilt neben Grönland als eine der größten Risikoregionen des Klimawandels. Forscher befürchten, eine weitere Erwärmung der Luft könnte küstennahe Gletscher verstärkt tauen lassen, wodurch sich die Pegel der Ozeane bedrohlich heben könnten.

Der globale Meeresspiegel steigt seit Beginn der Neunzigerjahre konstant um durchschnittlich rund drei Millimeter jährlich. Das Schmelzwasser aus Grönland und der Antarktis trägt zusammen etwa einen Millimeter pro Jahr zum Anstieg bei. Ob es mehr werden, hängt wesentlich von den fragilen Gletschern der Westantarktis ab.

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