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Wie Schmetterlinge Ameisen überlisten

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Baku, den 15. April (AZERTAG). Ameisen verteidigen ihre Nester aggressiv gegen Eindringlinge. Einem Schmetterling gelingt es dennoch, die Wachen mit einem akustischen Trick zu täuschen. Der Parasit tarnt sich als Ameise.

Parasitische Schmetterlinge haben erstaunliche Strategien entwickelt, um in die Kolonien von Ameisen zu gelangen. Ihre Larven imitieren die Geräusche der Ameisen, berichten italienische Forscher im Fachjournal „PLoS One“. Je nach Art und Lebensweise sind die Falter sogar in der Lage, unterschiedliche Töne nachzuahmen.

Leben die Schmetterlinge eher versteckt im Nest, dann geben sie vor allem außerhalb der Kolonie anziehende Geräusche von sich. Sind sie jedoch auf die aktive Pflege der Ameisen angewiesen, locken sie gezielt vor allem hilfsbereite Arbeiterinnen innerhalb des Nestes an.

Die Forscher um Marco Sala von der Universität Turin hatten das Verhalten von Ameisenbläulingen (Maculinea) untersucht. Diese Tagfalter sind in Europa weit verbreitet, inzwischen aber selten geworden. Die Weibchen legen ihre Eier an Enzianpflanzen ab, von denen sich die geschlüpften Raupen ernähren. Nach einiger Zeit lassen sich diese zu Boden fallen, von Knotenameisen (Myrmica) aufsammeln und in deren Nest tragen.

Klingen wie eine Königin - Bekannt ist, dass die Ameisen dabei vom imitierten Geruch und der Hautstruktur in die Irre geführt werden. Die Arbeiterinnen nehmen die Larven auf, weil sie sie für eigene Brut halten. In den Nestern verbringen die Falter einen Großteil ihres Lebens. Sie lassen sich 11 bis 23 Monate lang durchfüttern und verpuppen sich auch dort. Frisch geschlüpfte Tiere verlassen die Kolonie.

Die Wissenschaftler zeichneten nun mit winzigen Mikrofonen die Geräusche von Larven des Lungenenzian-Ameisenbläulings (Maculinea teleius), des nahverwandten Kreuzenzian-Ameisenbläulings (M. alcon) sowie von Arbeiterinnen und Königinnen der Ameise Myrmica scabrinodis auf. Der Lungenenzian-Ameisenbläuling ernährt sich im Nest von der Brut der Wirte und lebt eher versteckt, der Kreuzenzian-Ameisenbläuling lässt sich als voll integriertes Mitglied der Kolonie durchfüttern und konkurriert dabei mit der Ameisenbrut um Futter.

Von einer dritten Art, Maculinea rebeli, war bereits zuvor bekannt, dass die Raupen die Geräusche von Myrmica-Ameisenköniginnen nachahmen. Auch bei den nun untersuchten zwei Falterarten ähnelten die Geräusche stärker denen einer - stets bevorzugt behandelten - Königin als denen von Arbeiterinnen.

Ameisenkolonien beherbergen Tausende Parasiten - Bei außerhalb des Nests liegenden Larven reagierten die Ameisen allerdings stärker auf die Töne der räuberischen Maculinea teleius. Innerhalb der Kolonie wurden sie stärker von den M.-alcon-Geräuschen angezogen. Für die auf Fütterung angewiesene Art sei es lebenswichtig, innerhalb der Kolonie effektiv hilfsbereite Arbeiterinnen anzulocken, erläutern die Forscher. Außerhalb des Nests sei dies weniger wichtig, da sie bessere chemische Lockstoffe besitze als ihre räuberischen Verwandten.

Prinzipiell zeigten die Versuche, wie bedeutsam die akustische Kommunikation bei Ameisen ist. Wahrscheinlich nutzten auch andere Tiere spezielle Geräusche als „Türöffner“ für Ameisennester, schreiben die Forscher. Etwa 10.000 Arten von Insekten, Spinnen und anderen Tieren weltweit leben als Parasiten in Ameisenkolonien.

 

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