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Woher kommt die fremde DNA?

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Baku, 16. Dezember, AZERTAC

Bärtierchen überleben im Vakuum und in kochendem Wasser. Eine Rekordzahl fremder Gene könnte ihnen dabei helfen, berichteten Forscher. Es gibt nur ein Problem. In einer zweiten Studie war kaum Alien-DNA zu finden.

Über 17 Prozent der Gene im Bärtierchengenom stammen aus anderen Lebewesen, vor allem Bakterien, hatten Forscher im November berichtet. Damit käme jedes sechste Gen der Tiere aus einem fremden Organismus. Ein neuer Rekord, der nach Ansicht der Wissenschaftler die außergewöhnlichen Fähigkeiten der oft nicht mal einen Millimeter großen Tiere mit erklären könnte.

Bärtierchen sind die einzigen Tiere, die im Vakuum des Alls überleben können, sie überstehen auch kochendes Wasser unbeschadet genauso wie jahrelanges Einfrieren. Am Fremdgen-Rekord der Bärtierchen gibt es nun allerdings Zweifel.

Georgios Koutsovoulos von der University of Edinburgh und Kollegen veröffentlichten bereits kurz nach der ersten Studie die vorläufige Zusammenfassung einer zweiten Genanalyse, in der sie die gleiche Bärtierchenart genetisch untersucht hatten wie ihre Vorgänger. Auch die DNA-Proben stammten aus dem gleichen Labor, allerdings fanden die Forscher nur ein bis zwei Prozent Fremdgene.

Sie berichten von insgesamt gut 400 Fremd-Genen im Bärtierchen-Erbgut. Allerdings sind sie sich nicht sicher, ob selbst dieser vergleichbar niedrige Wert nicht zu hoch gegriffen ist.

In der vorangegangenen Studie waren Forscher um Bob Goldstein von der University of North Carolina von einem insgesamt sehr viel größeren Genom ausgegangen (250 Millionen Basenpaare statt wie in der neueren Untersuchung 135 Millionen), hatten aber auch von überproportional mehr Fremdgenen berichtet - gut 6500 (etwa 17 Prozent).

Woher kommt die fremde DNA? - Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tiere Erbinformationen von fremden Lebewesen in sich tragen. Möglich macht das horizontaler Gentransfer (HGT), wenn DNA statt von Generation zu Generation innerhalb einer Spezies zwischen verschiedenen Arten weitergeben wird. Auch ins menschliche Erbgut sind so Bakteriengene gelangt, wie Forscher zuletzt im März 2015 bestätigten. Hier ist der Anteil allerdings gering. Zur Einordnung: Die meisten Tiere besitzen nicht mal ein Prozent Fremd-DNA.

Im Fall des Bärtierchens gehen Koutsovoulos und Kollegen nun allerdings davon aus, dass die große Zahl fremder Gene, die in der ersten Untersuchung gefunden wurde, von Bakterien stammt, mit denen die Bärtierchen zusammenlebten. Demnach handelt es sich bei der Fremd-DNA wahrscheinlich um Verunreinigungen, die kein Bestandteil des Bärtierchengenoms sind. "Wir haben in unseren Proben zum großen Teil andere Fremd-DNA gefunden als die Goldstein-Gruppe", schreiben die Forscher.

Weiterforschen - Goldstein kann sich das Ergebnis nicht recht erklären. "Wir haben sehr ernsthaft daran gedacht, dass unser Ergebnis auf Kontamination zurückzuführen sein könnte", schreibt er in einem Kommentar. Das sei selbstverständlich zunächst die wahrscheinlichste Erklärung für die große Menge fremder Gene gewesen. Daher habe man gezielt nach Verunreinigungen gesucht.

Nun wollen die Forscher weitere Analysen machen, bevor sie genauer Stellung beziehen. Sie seien aber froh, dass es eine Möglichkeit gebe, gegensätzliche Ergebnisse schnell öffentlich zu machen und die Forschung so voran zu treiben.

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