WELT


Chinas Wirtschaft wächst langsam

Baku, 16. Juli, AZERTAC

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal etwas langsamer gewachsen als in den drei Monaten zuvor. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent zu. Das teilte das Statistikamt in Peking mit. Im ersten Quartal waren es noch 6,8 Prozent Wachstum.

Eine geringfügige Verlangsamung war erwartet worden, da die Regierung bereits seit Jahren gegen riskante Kreditvergaben vorgeht. Künftig könnte die chinesische Konjunktur zudem durch den Handelsstreit mit den USA gedämpft werden.

In dem Konflikt legte die Volksrepublik nun bei der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde gegen die jüngst angedrohten US-Zölle auf chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar ein. Das teilte das Handelsministerium mit. Auf diese Waren sollen zusätzlich zehn Prozent bei der Einfuhr in die USA fällig werden - darunter Sojabohnen, Stahl, Kohle und Elektronik. China hat deutlich gemacht, dass es mit Gegenmaßnahmen reagieren wird.

Noch keine Auswirkungen durch Handelsstreit - "Die Wirtschaft ist stabil und zeigt normales Wachstum", sagte der Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou der Nachrichtenagentur dpa. Der Handelsstreit und die gerade erst verhängten Strafzölle der USA auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar zeigten noch keine Auswirkungen. "Es gibt keine großen Probleme für die Wirtschaft", sagte der Professor. "Aber wie verlässlich sind diese Zahlen? Das ist unsicher." Chinas Statistikamt sei eben nicht unabhängig, sondern gehöre zur Regierung.

Einer Umfrage des Finanzdienstes IHS Markit zufolge sind chinesische Unternehmen zwar optimistisch, dass ihre Produktion im nächsten Jahr wachsen wird, doch ist die Stimmung "vergleichsweise gedämpft". Die Sorgen über den Handelskrieg, steigende Preise für Rohstoffe, höhere Arbeitskosten, härteren Wettbewerb und strengere Umweltvorschriften drückten die Laune, berichtete IHS Markit.

Konsum steigt - Trotz der Unsicherheiten profitiere die Wirtschaft von der weltweiten Erholung, einem belebten Immobilienmarkt und anderen Wachstumstreibern, stellte das Statistikamt fest. "Die nationale Wirtschaft behält den Schwung einer beständigen und gesunden Entwicklung, während sich die Umstrukturierung vertieft, die Qualität und Effektivität verbessert hat", teilte das Statistikamt mit, das von einem "guten Start in Richtung qualitativ hochwertige Entwicklung" sprach.

Auch trage der Konsum stärker als früher zum Wachstum bei. Der Anteil stieg im zweiten Quartal auf 78,5 Prozent, nachdem er im ersten Quartal bei 77,8 Prozent und im ganzen vergangenen Jahr noch bei 58 Prozent gelegen hatte.

Die wirtschaftliche Entwicklung liegt auch weiter über der Vorgabe der Regierung in Peking, die für das ganze Jahr eigentlich nur rund 6,5 Prozent anstrebt. Experten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einem leicht abgeschwächten Wachstum von nur noch 6,6 Prozent.

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