Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Mers-Virus breitet sich immer schneller aus

Baku, den 29. April (AZERTAG). Immer mehr Menschen auf der Arabischen Halbinsel infizieren sich mit dem gefährlichen Mers-Virus. Saudi-Arabien meldet fast täglich Tote, Ärzte streiken aus Angst vor Infektion. Auch international wächst die Sorge.

„Möge Allah sich ihrer erbarmen“ wünscht die Gesundheitsbehörde in Saudi-Arabien auf ihrer Webseite den Menschen, die an dem gefährlichen Coronavirus Mers gestorben sind. Am Dienstagmorgen waren es in dem Königreich 102 Tote - 21 mehr als noch eine Woche zuvor. Entdeckt wurde der Erreger im September 2012, und am stärksten betroffen ist der Ölstaat Saudi-Arabien.

Seit wenigen Wochen steigen die Zahlen dort sprunghaft an. Die Regierung in Riad rüstet sich: Der Gesundheitsminister wurde ausgetauscht und Spezialzentren mit Isolierstationen in drei Städten eingerichtet. Doch von Riad, Dschidda oder Mekka gelangt das Virus auch in andere Länder und verbreitet Furcht. Am Wochenende meldete Ägypten einen ersten Verdachtsfall. Ein Rückkehrer aus Saudi-Arabien hatte Symptome aufgewiesen.

Zuletzt erwischte es insbesondere Ärzte, Apotheker und Krankenschwestern, die mit Erkrankten in Kontakt kamen. So wurde eine 38-jährige philippinische Apothekerin in Riad ins Krankenhaus gebracht, sie hatte sich offenbar angesteckt. In Dschidda wurde der Erreger Mers-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus) bei einer 30-jährigen indischen Krankenschwester diagnostiziert. In Mekka erkrankte ein 32-jähriger sudanesischer Arzt daran.

Viele saudische Mediziner weigern sich aus Angst vor Ansteckung inzwischen, Infizierte überhaupt zu betreuen. Denn bislang gibt es weder eine Impfung noch eine Therapie. Der Körper muss versuchen, den Erreger selbst zu bekämpfen, der zu Nierenversagen und schwerer Lungenentzündung führen kann.

Herkunft der Erreger unklar - Warum das Coronavirus vor allem in Saudi-Arabien auftritt, weiß man nicht. Überhaupt weiß man im Moment relativ wenig. Die Erreger können sowohl in Vögeln als auch in Säugetieren vorkommen. Einige Studien weisen darauf hin, dass Mers seinen Ursprung in Fledermäusen hat. Wissenschaftler konnten das Virus aber auch in Kamelen nachweisen. Wie Genanalysen gezeigt haben, ist das Virus wohl mehrfach von Tieren auf den Menschen übergesprungen. Kamele werden in den arabischen Staaten wegen ihres Fleisches, ihrer Milch und als Transporttiere gehalten.

Tarik Jasarevic, Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erklärt: „Uns geht es jetzt darum, herauszufinden, wie der Erreger von Kamelen auf Menschen überspringt.“ Es gibt Hinweise, dass die Symptome bei einer Ansteckung von Mensch zu Mensch weniger schwerwiegend sind, als wenn der Erreger vom Tier auf den Menschen übergeht. Zugleich räumt der Experte ein: „Wir wissen noch immer nicht genug.“ Eine neue WHO-Delegation aus Medizinern will sich nun auf den Weg in das Königreich machen, um nach Antworten zu suchen.

Mers in Europa - Vor zehn Jahren waren am Sars-Erreger, der ebenfalls zu den Coronaviren zählt, weltweit rund 800 Menschen gestorben. Mers gilt zwar als weniger ansteckend, führt aber häufiger zum Tode. Vor allem das Auftreten des Erregers im islamischen Pilgerort Mekka alarmiert die Behörden. Denn bei der jährlichen großen Wallfahrt, dem „Hadsch“, versammeln sich dort mehr als zwei Millionen Gläubige aus aller Welt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gibt es in Saudi-Arabien zwar mit Abstand die meisten Mers-Fälle. Doch ist der Erreger schon in vielen Ländern aufgetaucht - offiziell von der WHO bestätigt sind bislang 261 Infektionsfälle und 93 Tote. Nachweislich betroffen waren demnach in der arabischen Welt vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate aber auch Jordanien, Kuwait, Oman, Katar und Tunesien. Zuletzt meldete Jemen die erste Mers-Infektion. In Europa waren es Frankreich, Griechenland, Italien, Großbritannien und auch Deutschland. In München war im März 2013 ein 73-jähriger Mers-Patient aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gestorben. Ferner wurde der Erreger in Malaysia und auf den Philippinen diagnostiziert.

Schon im vergangenen Jahr warnte WHO-Generaldirektorin Margaret, dass der Erreger „eine Gefahr für die ganze Welt“ sei. Damit der Ernstfall nicht eintritt, sollte spätestens bis zum nächsten „Hadsch“ eine Lösung gefunden werden. Die große Pilgerfahrt wird dieses Jahr voraussichtlich Anfang Oktober sein.

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