Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Nuklearwissenschaftler warnt die Welt vor Nordkorea

Baku, den 22. November (AZERTAG). "Fassungslos" zeigte sich ein US-Wissenschaftler, nachdem das Regime in Nordkorea ihm eine neue Anlage zur Urananreicherung präsentierte.

Stanford-Professor Siegfried Hecker, einer der führenden Nuklearwissenschaftler der USA, verschlug es die Sprache. Die nordkoreanische Regierung hatte dem früheren Leiter des US-Kernforschungszentrums Los Alamos, wo einst das Atomwaffenprogramm der USA entwickelt wurde, eine gigantische Fabrik zur Urananreicherung präsentiert. Hecker erkannte auf den ersten Blick die neue potenzielle Atombombenschmiede Nordkoreas.

Er sei „fassungslos“ gewesen, wie technisch „ausgefeilt“ die gesamte Anlage nördlich der Hauptstadt Pjöngjang wirkte, sagte der Wissenschaftler der „New York Times“. Er habe „Hunderte über Hunderte Zentrifugen“ gesehen. Sie seien gerade erst aufgestellt und von einem „ultramodern eingerichteten Kontrollraum“ aus gesteuert worden. Nordkoreanische Begleiter verboten ihm zwar, zu fotografieren oder sich an Ort und Stelle zu überzeugen, ob schon schwach angereichertes Uran produziert wird. Aber sie berichteten ihm, dass sie 2000 Zentrifugen installiert und auch schon in Betrieb genommen hätten. Heckers erstauntes Fazit: Das wegen seiner Atomaufrüstung unter verschärften UN-Sanktionen stehende Regime hatte sich seine Atomanlage unbemerkt innerhalb von nur 18 Monaten aufgebaut.

Die Neuigkeiten über die geheime Atomwaffenfabrik haben die Regierungen der Region aufgeschreckt. Nordkoreas atomare Aufrüstung ist offenbar sehr viel weiter gediehen, als alle bisher angenommen hatten. Der US-amerikanische Nordkorea-Beauftragte Stephen Bosworth traf am Sonntag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein, um den weiteren Umgang der asiatischen Nachbarn mit Nordkorea zu besprechen. Am Dienstag reist er nach Tokio weiter und dann nach China, dem einzigen politischen Verbündeten und wirtschaftlichen Unterstützer Nordkoreas. Dennoch war aus Peking bis Sonntagnacht bis auf einen Nebensatz in seiner englischen Nachrichtenagentur Xinhua nichts zu den explosiven Neuigkeiten aus Nordkorea zu vernehmen.

Die riesige Urananreicherungsfabrik will Nordkorea nach eigenem Bekunden zur Stromgewinnung für seinen Leichtwasserreaktor nutzen. So ähnlich argumentiert auch der Iran. Mit der neuen Technologie ist aber der von einer Familiendiktatur beherrschte Staat, in dem gerade der 27-jährige Sohn von Führer Kim Jong-il als General ernannt wurde und als designierter Nachfolger für Vater und Großvater in dritter Generation nachrückt, künftig in die Lage, sein Atomwaffenarsenal zügig auszubauen. Mit angereichertem Uran kann er stärkere Atomwaffen herstellen als bisher. In den Jahren 2006 und 2008 testete Nordkorea unterirdisch zwei schwache Atombomben, für die es waffenfähiges Plutonium über die Wiederaufarbeitung von Brennstäben gewann. US- und südkoreanische Geheimdienste schätzen, dass es bisher nur über sechs bis acht Atomsprengkörper verfügt.

Die Hecker am 11. November gezeigte Anlage ist neu. Ihm wurde gesagt, dass sie in einer Altfabrik zur Herstellung von Brennstoffen errichtet wurde. Seine Begleiter gaben keine Antwort, wie es dem unter UN-Sanktionen stehenden, weltweit isolierten und heruntergewirtschafteten Staat gelungen war, in eineinhalb Jahren die technisch anspruchsvolle Großanlage aufzubauen. Im April 2009, als Nordkorea die letzten internationalen Atomexperten aus dem Land warf, hatte es an der Stelle noch keine solche Anlage gegeben. Eine der Fragen, die die USA nun stellen, lautet, ob und von wem Nordkorea internationale technische oder materielle Hilfe beim Bau der Urananreicherung erhielt, obwohl UN-Sanktionen gegen das Land zweimal verschärft wurden.

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