Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Vogelgrippevirus H5N1 könne eine Pandemie auslösen

Baku, 10. Oktober, AZERTAC

Erst krankes Geflügel in Südostasien, dann steckten sich Menschen an und starben. Vor gut zehn Jahren war die Angst groß, das Vogelgrippevirus H5N1 könne eine Pandemie auslösen. Wie gefährlich ist der Erreger heute?

Als das Vogelgrippevirus H5N1 plötzlich auftauchte, war die Sorge groß: Der Erreger verbreitete sich nicht nur unter Geflügel in Südostasien, immer wieder steckten sich auch Menschen an. Viele starben an den Folgen der Infektion.

Vor knapp zehn Jahren erreichte der Erreger auch Deutschland. Erst wurde er bei toten Wildvögeln nachgewiesen, dann bei Katzen und schließlich auch auf einem Geflügelhof.

Falls sich das Virus so verändert, dass es auch von Mensch zu Mensch springt, drohe eine verheerende Pandemie: So lautete damals die Befürchtung.

Dieses Schreckensszenario hat sich bis heute zum Glück nicht bewahrheitet. Und zumindest hierzulande ist es ruhig geworden um H5N1.

Verschwunden ist H5N1 keineswegs. - In Deutschland wurde der Erreger zuletzt 2009 bei einem Wildvogel entdeckt, in Europa gibt es noch Fälle. 2015 wurden die Viren in Bulgarien und Rumänien nachgewiesen, berichtet Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

In China, Indonesien, Vietnam, Bangladesch und Indien sind H5N1-Viren endemisch im Geflügel, das heißt, sie zirkulieren dort ständig. Aktuell sind sie zudem ein besonders großes Problem in Ägypten.

48 Todesfälle innerhalb weniger Monate - Zwischen November 2014 und Ende April 2015 starben in dem Land 48 Menschen an der Vogelgrippe, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet. 165 Krankheitsfälle wurden dokumentiert.

Seit Juni 2014 gab es laut einem aktuellen Report, an dem unter anderem die WHO und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) mitgearbeitet haben, wieder vermehrt H5N1-Ausbrüche bei Geflügel in Ägypten. Allein von Dezember bis Februar wurden 333 Fälle bekannt - im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor waren es 44.

Die H5N1-Viren, über die wir heute sprechen, sind nicht mehr dieselben wie jene, die man erstmals 1996 beschrieben hat. Grippeviren verändern sich schnell. Glücklicherweise seien die Erreger aber nicht ansteckender für Menschen oder besser von Mensch zu Mensch übertragbar geworden, teilt die WHO auf Anfrage mit. Ungefährlicher sind sie jedoch auch nicht.

„Im vergangenen Jahr haben sich einige H5-Viren, die mit den in Asien zirkulierenden H5N1-Viren eng verwandt sind, in anderen Teilen der Welt ausgebreitet und sich dort mit lokalen Vogelgrippeviren vermischt, sodass neue Viren entstanden sind - etwa H5N2 sowie ein neues nordamerikanisches H5N1“, heißt es seitens der WHO. Bei solchen Vermischungen können Viren entstehen, die das Potenzial haben, eine weltweite Grippewelle unter Menschen auszulösen. „Diese Vermischungen und ihre Folgen sind unvorhersehbar und besorgniserregend.“

Risiko Geflügelmarkt - Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die dabei helfen können, das Virus einzudämmen.

Einige der betroffenen Länder haben zeitweise Märkte, auf denen lebendes Geflügel gehandelt wird, eingeschränkt oder ganz ausgesetzt. Denn durch den Handel können die Erreger von einem Bestand zum nächsten gelangen.

Es ist möglich, Vögel gegen H5N1 zu impfen. Allerdings ist der Impfstoff nicht ideal, weil er nicht die Infektion an sich verhindert, sondern im Wesentlichen nur deren Stärke.

Mangelnde Hygiene und ein enges Zusammenleben von Mensch und Tier erhöhen das Risiko, dass der Erreger von infiziertem Geflügel auf Menschen übertragen wird. Bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen helfen also auch im Kampf gegen Vogelgrippeviren.

Die Erreger komplett wieder loszuwerden, ist jedoch extrem schwierig. „Enten zum Beispiel zeigen bei einer Infektion kaum noch Symptome, scheiden die Viren aber aus. Sie können dann auch Wildvögel infizieren, die den Erreger über weite Strecken tragen können. Ich bin skeptisch, ob man H5N1 vor diesem Hintergrund ausrotten kann“, sagt Thomas Mettenleiter vom Loeffler-Institut.

Ist das Schreckensszenario eines sich verändernden H5N1, das besser von Mensch zu Mensch übertragbar ist, also nach wie vor aktuell? "Bei Influenza sollte man sich Prognosen sparen, da die Viren hoch variabel sind", sagt Mettenleiter.

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