Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

FIA setzt schon in Frankreich strengere Kontrollen an

FIA setzt schon in Frankreich strengere Kontrollen an

Baku, 17. Juni, AZERTAC

Die Ursache für die Reifenschäden bei Max Verstappen (Red Bull) und Lance Stroll (Aston Martin) ist offenbar geklärt. Reifenhersteller Pirelli hat am späten Dienstagabend eine Erklärung veröffentlicht, die zwar einige Antworten liefert, aber auch Fragen offenlässt.

Pirelli hat im Zuge der eingehenden Untersuchung im Werk in Mailand herausgefunden, dass es bei keinem der betroffenen Reifen einen "Produktions- oder Qualitätsdefekt" gab, und es konnten auch keinerlei Anzeichen von Materialermüdung oder einer Delamination der Gummioberfläche festgestellt werden.

Dennoch sei es gelungen, die Ursache für die Reifenschäden "eindeutig zu identifizieren", heißt es in der Erklärung. Demnach sei ein "umlaufender Bruch an der inneren Seitenwand" Auslöser für die Explosion der beiden Reifen gewesen, und der wiederum sei durch "die Betriebsbedingungen der Reifen" begünstigt worden.

Bereits im Vorfeld der Pirelli-Erklärung hatten in der Formel 1 Gerüchte die Runde gemacht, dass die Teams neuerdings wieder vermehrt mit dem Reifendruck tricksen und das die Ursache für die Reifenschäden gewesen sein könnte. Weil diese Gerüchte zuerst aus Italien kamen, wurde natürlich Pirelli als Quelle vermutet.

Red Bull reagiert auf Pirelli-Erklärung - Pirelli veröffentlichte seine eigene Erklärung um 19:51 Uhr. Darin wurde klargestellt, dass sich Red Bull und Aston Martin an die vorgeschriebenen Parameter für den Start (minimaler Reifendruck und maximale Temperatur der Heizdecken) gehalten haben. Trotzdem sollen Prozesse eingeführt werden, um die Einhaltung der Mindestdrücke in Zukunft besser sicherzustellen.

Was die Frage aufwirft: Wenn alle Vorgaben im Hinblick auf den minimalen Reifendruck eingehalten wurden, warum braucht es dann neue Prozesse? Ein Subtext, der ein schiefes Licht auf Red Bull und Aston Martin wirft und gegen den sich Red Bull um 20:16 Uhr, also nur 25 Minuten nach der Pirelli-Erklärung, zur Wehr gesetzt hat.

Man könne bestätigen, schreibt das österreichisch-britische Team, "dass kein autobezogener Fehler gefunden werden konnte. Wir haben die von Pirelli vorgegebenen Reifenparamater zu jeder Zeit befolgt und werden uns weiterhin an ihre Empfehlungen halten." Nachsatz: "Wir sind dankbar, dass bei den Hochgeschwindigkeitsunfällen niemand verletzt wurde."

Dass Red Bull klarstellt, der Reifendruck sei in Baku "zu jeder Zeit" über den von Pirelli vorgegebenen 20 psi gelegen (nach dem Freitagstraining wurde der Wert von 19 auf 20 psi angehoben), wirkt Anschuldigungen entgegen, wonach die Teams Methoden verwenden, den Reifendruck zwar bei der Messung am Start regelkonform aussehen zu lassen, im Rennen aber bewusst abzusenken.

Das könnte zum Beispiel erreicht werden, indem die Reifen mit wärmeren Heizdecken kurz vor der Kontrollmessung vor dem Start auf eine höhere Temperatur als erlaubt vorgeheizt werden, denn das erhöht auch den Reifendruck. Der Betriebsdruck bei voller Fahrt wäre dann aber niedriger als vorgesehen, was höheres Risiko bedeutet - aber eben auch mehr Grip.

Verschärfte Kontrollen schon in Le Castellet - Jetzt sollen schon in Frankreich neue Untersuchungsmethoden eingeführt werden, wie die FIA den Teams im Rahmen einer technischen Richtlinie mitgeteilt hat. Konkret bedeutet das, dass der Reifendruck nicht nur vor-, sondern auch nach Fahrbetrieb kontrolliert werden darf. Das soll stichprobenartig erfolgen.

Die Ventile der Reifen werden zu diesem Zweck versiegelt, damit die Teams den Reifendruck nicht nachträglich manipulieren können. Darüber hinaus wird die Reifentemperatur mit Infrarotkameras kontrolliert, um sicherzustellen, dass nicht mit höheren Temperaturen in den Heizdecken getrickst wird. Etwaige Auffälligkeiten werden den FIA-Rennkommissaren gemeldet.

Spätestens 2022 soll das dann der Geschichte angehören. Denn dann werden laut Artikel 10.7.3 des Technischen Reglements ohnehin Sensoren eingeführt, die den Reifendruck und die Reifentemperatur auch während der Fahrt zuverlässig messen können. Die Sensoren werden nicht von den Teams selbst, sondern von einem unabhängigen Hersteller entwickelt und gebaut.

Schon jetzt sind die Teams dazu in der Lage, die Reifendrücke und -temperaturen mit eigenen Sensoren zu messen. Diese Werte werden von der FIA jedoch als nicht zuverlässig genug erachtet, um sie für sportregulatorische Entscheidungen heranzuziehen. Zumal nicht alle Teams die gleichen Sensoren einsetzen und es somit Abweichungen bei den Messungen geben könnte.

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