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Australian-Open: 21 jährige Naomi Osaka ist die Beste der Welt

Baku, 26. Januar, AZERTAC

Vorsichtig sah sich Naomi Osaka um. Ein kurzer Blick nach links, ein Suchen auf dem Boden, eine schnelle Verbeugung, als ihr der schwere Pokal von rechts entgegen gestreckt wurde. Die 21-Jährige ist eine für den stillen Auftritt. Auch in dem Moment, in dem sie sich bei den Australian Open mit ihrem zweiten Grand-Slam-Titel in Folge zur neuen Nummer eins des Damentennis krönte.

Doch selbst Osaka kann eine Fehleinschätzung unterlaufen. Denn als sie ihre Ansprache bei der Trophäenübergabe mit dem Satz begann, dass das öffentliche Reden nicht ihre Stärke sei, lag Osaka wohl doch ein bisschen daneben.

Vier Monate, nachdem sie sich als Siegerin der US Open unter der eigenen Kappe versteckt hatte, während das New Yorker Publikum den Schiedsrichter des dramatischen Finales gegen Serena Williams mit Buhrufen eindeckte, gehörte dieser Moment ganz alleine ihr. Osaka fand wohlgewählte und anerkennende Worte für Verliererin Petra Kvitova. Vor einem Jahr als Nummer 72 zu den Australian Open angereist, dankte die nun offiziell beste Spielerin der Welt den Ballkindern und Fans.

Wie sie diese Position erreichen konnte, zeigte sich auch im hochklassigen Endspiel am Samstag. Alles begann mit einem verschmitzten Lächeln, als sich Osaka und Kvitova beim Fototermin direkt vor dem Matchstart ins Gesicht schauten. Als hätten sich zwei Komplizinnen zu einem Abend bester Unterhaltung verabredet. So verlief das Wohlfühlfinale der Publikumslieblinge beim selbst ernannten Happy Slam dann auch.

Während im Hintergrund die Feuerwerke zum Australia Day begannen und sich der Tag mit einem orangefarbenen Sonnenuntergang verabschiedete, flogen Kvitovas präzise Vorhände die Linie entlang. Doch meist gelang es Osaka, zum erfolgreichen Konter anzusetzen. Da war sie wieder, Osaka, die mittlerweile quasi alles auf dem Platz kann. Sie ließ sich nicht einmal davon aus der Ruhe bringen, dass sie im zweiten Satz drei Matchballe vergab und auch ihr eigenes Aufschlagspiel zum Matchgewinn nicht durchbringen konnte.

Die Symbolkraft des Sieges kann kaum überschätzt werden. Während sich bei den Herren die jungen Zwanziger zumindest bei den größten Turnieren noch erfolglos an der alten Garde abarbeiten, hat Osaka den Sport übernommen. Inklusive der ganz großen Spiele.

Nicht nur ist die Japanerin die Frau der Stunde, die erste Asiatin an der Weltranglistenspitze, eine menschliche Marketingwucht im Land, das sie repräsentiert. Osaka ist zudem das neue Gesicht der globalisierten Tenniswelt, eines, in dem sich besonders viele wiedererkennen können. Die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin, weitestgehend in den USA aufgewachsen, schüchtern, mit trockenem Humor. Das "Time Magazine" hatte sie schon vor den Australian Open in einer Titelgeschichte zur Erbin von Serena Williams ernannt.

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