GESELLSCHAFT


Cholesteringefahr bei Risikogruppen 30- bis 40-Jährigen

Baku, 7. Dezember, AZERTAC

Ohne Cholesterin könnte unser Körper nicht existieren. Der Stoff dient als Baumaterial unserer Zellen, bildet das Grundgerüst vieler Hormone und fördert als Vorläufer der Gallensäure die Verdauung von Fetten. Zu viel Cholesterin aber, das ist unumstritten, lagert sich an der Wand der Blutgefäße ab und steigert dadurch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Ärzte nutzen daher seit Jahrzehnten Cholesterinsenker, sogenannte Statine, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Sie verschreiben diese, wenn ein Patient mit hohen Cholesterinwerten bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet oder die Gefahr groß ist, dass er innerhalb der nächsten zehn Jahre daran stirbt. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass noch viel mehr Menschen von den Mitteln profitieren könnten.

Demnach beeinflusst vor allem bei Menschen unter 45 Jahren ein erhöhter Cholesterinwert wesentlich das Risiko, im weiteren Verlauf des Lebens eine schwere Herz-Kreislauf-Krankheit zu entwickeln. Das Zehn-Jahres-Risiko, das Mediziner bei ihrer Entscheidung für oder gegen Medikamente nutzten, sei oft zu kurz gegriffen, ist das Fazit der Studie im Fachmagazin "The Lancet".

Die Basis: Daten von 400.000 Menschen aus 19 Ländern - Für die Untersuchung wertete ein Team um Fabian Brunner vom University Heart & Vascular Center Hamburg Daten von knapp 400.000 Menschen aus, ein Großteil davon stammte aus Europa. Zu Beginn der Studie waren die Probanden im Mittel 51 Jahre alt und hatten noch keine Herzerkrankungen. Innerhalb der folgenden Jahre - im Mittel waren es 13 - erkrankten jedoch 54.000 an Herz und Gefäßen.

Diese Zahlen kombinierten die Wissenschaftler im ersten Schritt mit den Cholesterinwerten der Teilnehmer. Dafür nutzten sie den sogenannten Non-HDL-Cholesterinwert, dieser beinhaltet alle Cholesterinformen - abgesehen vom HDL-Cholesterin. Das HDL hat im Körper die wichtige Funktion, Cholesterin aus den Geweben (wie den Zellwänden) zur Leber zu transportieren, und dort zum Beispiel in Gallensäuren umzuwandeln.

Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Cholesterinwerten zu Beginn der Studie und der Wahrscheinlichkeit, später zu erkranken. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der folgenden 30 Jahre eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, in der Gruppe mit den höchsten Cholesterinwerten drei- bis viermal höher als in der Gruppe mit den niedrigsten Cholesterinwerten.

Risiko im Alter von 45 Jahren bei hohen Cholesterinwerten stark erhöht

Ein weiteres, überraschendes Ergebnis: Bei den Teilnehmern unter 45 beeinflusste der Cholesterinwert das Krankheitsrisiko am stärksten. Dies galt vor allem, wenn die Forscher einen längeren Zeitraum als nur zehn Jahre betrachteten.

Allein mit der Ernährung wird es nicht funktionieren - Trotz der Einschränkungen bewerten Wissenschaftler, die nicht an der Studie teilgenommen haben, die Ergebnisse als äußerst wertvoll: "Jeder weiß, dass hohe Cholesterinwerte mit einem höheren Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden sind", erklärte Paul Leeson, Professor für kardiovaskuläre Medizin an der University of Oxford die Studie dem "Science Media Centre". "Was aber zum ersten Mal gezeigt wurde, ist, dass hohe Cholesterinwerte bei Menschen unter 45 Jahren das Risiko für Probleme im weiteren Verlauf des Lebens überproportional steigern."

Leeson zufolge ist es jedoch noch zu früh, um die Therapieempfehlungen auf Basis der Daten zu überarbeiten. Zuvor müssten Studien klären, wie sich die Cholesterinwerte bei jungen Menschen senken ließen und ob es wirklich notwendig sei, jahrzehntelang Medikamente zu schlucken, fordert er. Zu einer solchen Risiko-Nutzen-Abwägung zählt auch, die möglichen Nebenwirkungen zu überprüfen.

Auch Jane Armitage von der University of Oxford hält die Studie für einen wichtigen weiteren Beleg, dass eine Behandlung hoher Cholesterinwerte in jüngeren Jahren vor Herzinfarkten und Schlaganfällen im späteren Leben schützt. Sie sieht jedoch eine ganz andere Schwierigkeit: "Die Herausforderung ist, Menschen dazu zu bekommen, über viele Jahre Medikamente zu schlucken." Vor allem, wenn sie von der drohenden Krankheit noch nichts spüren.

Was können Betroffene dennoch tun? Möglichst wenig gesättigte Fettsäuren aus Käse, Fleisch oder Schokolade zu sich nehmen und stattdessen auf ungesättigte Fettsäuren, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte setzen.

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