GESELLSCHAFT


In China Covid-19-Patienten Antikörper von Genesen übertragen

Baku, 8. Juni, AZERTAC

Infusionen von antikörperreichen Blutseren zeigten bei der Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten im chinesischen Wuhan nur unwesentliche Erfolge. Das berichtet ein Ärzteteam im Fachblatt "Journal of the American Medical Association".

In der Studie hatte ein Teil der Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, Blutseren von Menschen bekommen, die eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgemacht hatten und nachweislich Antikörper gegen den Erreger in sich trugen. Die andere Gruppe bekam ein Placebo. Der Zufall entschied, welcher Patient welche Therapie bekam. Solche randomisierten Studien sind wichtig, um den Effekt einer Therapie zuverlässig bewerten zu können.

Das neuartige Coronavirus fällt über Eiweiße, sogenannte Spike-Proteine, in menschliche Zellen ein und bringt diese dazu, Kopien des Erregers herzustellen, die weitere Zellen angreifen. Das Immunsystem bemerkt die Eindringlinge und produziert Antikörper, die das Spike-Protein blockieren und das Virus dadurch unschädlich machen.

Bei einer Infektion mit dem Coronavirus dauert es im Schnitt sieben Tage, bis solche Antikörper nachweisbar sind. Auch nach der Erkrankung kursieren sie weiter im Blut, für den Fall, dass das Virus zurückkommt.

Genau das macht sich die Plasmatherapie zunutze. Die Idee: Wird das Blut von Genesenen auf andere übertragen, die die Krankheit noch nicht überstanden haben, muss deren Immunsystem die Antikörper nicht erst bilden, sondern kann den Erreger gleich abwehren. Die Empfänger bleiben gesund oder erholen sich schneller. Eine solche "passive Immunisierung" war schon bei vorherigen Epidemien erfolgreich.

Auch bei fünf schwer erkrankten Covid-19-Patienten im chinesischen Shenzhen schien die Therapie anzuschlagen. Ein Nachweis für die Wirksamkeit ist das jedoch nicht. Dafür war die Zahl der Teilnehmer zu gering. Außerdem gab es keine Vergleichsgruppe, die ebenfalls schwer erkrankt war. Mediziner können deshalb nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die Patienten auch ohne die Therapie erholt hätten.

In der aktuellen Studie aus China konnte die Plasmatherapie die Genesung der Patienten nicht beschleunigen. Auch das Risiko zu sterben, blieb in etwa gleich hoch. Nur bei einigen Patienten, die zwar schwer erkrankt waren, aber nicht auf einer Intensivstation behandelt werden mussten, gibt es Hinweise auf einen Erfolg der Therapie: Sie erholten sich im Schnitt fünf Tage schneller als vergleichbare Patienten in der Placebo-Gruppe.

Studie bedeutet nicht das Ende für Plasmatherapie: An der aktuellen Studie nahmen insgesamt 103 Covid-19-Patienten teil, deutlich weniger als ursprünglich geplant. Der Grund: Die Corona-Epidemie ist in Wuhan mittlerweile laut Behördenangaben unter Kontrolle. Dementsprechend gibt es deutlich weniger Covid-19-Patienten als zu Beginn des Ausbruchs. Mit einer höheren Anzahl an Patienten könnten sich deutlichere Unterschiede bei der Therapie zeigen, argumentieren die Forscher.

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