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Japanischer Kaiser Akihito Abdankung vom Thron vollzogen

Tokio, 30. April, AZERTAC

Akihito, der 125. Kaiser Japans, hat sein Amt nach gut 30 Jahren aufgegeben. Während einer kurzen Zeremonie in seinem Palast in Tokio erklärt der 85-Jährige seinen Thronverzicht. Formal übernimmt Akihitos Sohn Naruhito den Thron am Mittwoch.

In einer kurzen Ansprache sagte Akihito, er habe seine 30-jährige Amtszeit mit "tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk" ausgeübt. "Das war ein großer Segen." Er danke dem japanischen Volk "von Herzen", dass es ihn als "Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt" habe.

Die Abdankung fand im Matsu-no-Ma statt, einer 370 Quadratmeter großen Halle im Kaiserpalast. An der Zeremonie nahmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Regierungsmitglieder, Parlamentarier und hochrangige Richter. Die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen.

Üblicherweise bleibt der Tenno, so wird der Kaiser in Japan genannt, bis zu seinem Tod im Amt. Akihito bat jedoch bereits 2016 aus gesundheitlichen Gründen darum, zurücktreten zu dürfen. Das Parlament erlaubte ihm das per Sondergesetz. Der letzte Monarch, der abdankte, war Kaiser Kokaku 1817. Akihito ist damit der erste japanische Kaiser seit gut 200 Jahren, der den Thron freiwillig für seinen Nachfolger freimacht.

Vor seiner letzten Amtshandlung als Tenno hatte Akihito am Vormittag (Ortszeit) den Göttern des asiatischen Inselreiches seine Abdankung angekündigt. Zu den tief religiösen Riten in den drei Schreinen seines Palastes erschien der Monarch in der modernen Version einer jahrhundertealten höfischen Tracht aus goldbrauner Robe und hoch aufragender schwarzer Kopfbedeckung.

In den Heiligtümern der japanischen Urreligion Shinto wird unter anderem die Sonnengöttin Amaterasu Omikami verehrt. Den Mythen nach sind die japanischen Kaiser ihre Nachfahren.

An der kurzen und einfachen Zeremonie zur Inthronisierung seines Sohnes Naruhito am Mittwoch wird Akihito nicht mehr teilnehmen. Laut der japanischen Nachkriegsverfassung hat der Kaiser keinerlei politische Macht, sondern ist ein Symbol der Einheit der Nation.

Akihito war der erste Repräsentant eines moderneren Hofes.

Als Kronprinz hatte er 1959 mit der fast 2000 Jahre alten Hoftradition gebrochen und mit der Unternehmertochter Michiko Shoda eine Bürgerliche geheiratet.

Akihito ist mit seiner zurückhaltenden Art und seiner liberalen Einstellung bei den Japanern beliebt. Das Kaiserpaar gilt als bürgernah. 1991 erregte Akihito Aufsehen, als er nach einem Vulkanausbruch erstmals auf dem Holzfußboden einer Notunterkunft niederkniete. Nach der Katastrophe von Fukushima sprach er den Japanern per Videobotschaft Mut zu.

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