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Muss das aktuelle Qualifyingformat wirklich überarbeitet werden?

Baku, 4. April, AZERTAC

Aktuell wird in der Formel 1 - wieder einmal - über einen neuen Qualifyingmodus diskutiert. Konkret geht es um eine Ausdehnung der Session von drei auf vier Segmente.

In den ersten drei Abschnitten sollen je vier Fahrer ausscheiden, die besten acht anschließend in Q4 um die Pole-Position kämpfen. Hört man sich im Fahrerlager um, stellt man allerdings fest, dass die Teams momentan noch skeptisch sind.

"Es sieht so aus, dass viele TV-Zuschauer [aktuell] erst in Q2 einschalten. Q1 schauen sie nicht", erklärt Haas-Teamchef Günther Steiner den Grundgedanken hinter der Änderung. "Im Prinzip ist die Idee nicht schlecht", findet er. Bei kürzeren Qualifying-Segmenten sei die Chance größer, dass jemand etwas "versaut" und früh ausscheidet. Komplett hinter der Idee steht er aber trotzdem noch nicht.

Er erklärt, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte, und der Vorsprung der drei Topteams sogar noch größer statt kleiner werden könnte. Zudem äußert er "einige Bedenken wegen der Reifen" - und ist damit nicht alleine. "Wir wollen nicht, dass in Q4 am Ende keine Autos fahren, weil es keine Reifen mehr gibt", warnt auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Horner und Red Bull sind für "alles offen" - "Wir werden uns das anschauen", sagt Horner und erklärt: "Wir sind offen für alle Ideen, aber man muss seine Hausaufgaben erledigen." Hintergrund: Bei einem zusätzlichen Segment im Qualifying bräuchten die Teams mehr Reifen. Doch Hersteller Pirelli soll von dieser Idee wenig begeistert sein. "Die Simulationen haben bereits begonnen", verrät Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

Tatsächlich haben alle Teams aktuell die Möglichkeit, eigene Studien anzustellen, und ihr Feedback anschließend an Formel-1-Sportchef Ross Brawn zu senden. Binotto erklärt, man müsse neue Regeln vor der Einführung ordentlich prüfen, "um sicherzustellen, dass wir keine Probleme schaffen." Tatsächlich wäre es nicht das erste Mal, dass die Formel 1 das Qualifying mit einer Änderung "verschlimmbessern" würde.

2016 führte man einen überarbeiteten Modus ein, kehrte aber nach nur zwei Rennen wieder zum bewährten System zurück. Auch Horner mahnt deshalb man dürfe nicht nur um des Änderns willen eine Anpassung vornehmen. Und Steiner erinnert, dass das aktuelle System "nicht schlecht" sei. Oder um es wie Steiner mit einem englischen Ausdruck zu sagen: "If it isn't broken, don't fix it ..."

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