GESELLSCHAFT


WHO-Bericht: Erreger in Afrika ausgerottet

Baku, 27. August, AZERTAC

Nach Jahrzehnten ist Afrika frei von wildem Polio. Die unabhängige Africa Regional Certification Commission (ARCC) erklärte am Dienstag, dass in allen 47 Ländern der Afrika-Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Wildtyp des Poliovirus ausgerottet sei. "Heute ist ein historischer Tag für Afrika", sagte die Leiterin der Kommission, Rose Leke, laut der Deutschen Presseagentur.

Das wilde Poliovirus ist der WHO zufolge erst das zweite Virus, das auf dem Kontinent ausgerottet wurde, nach den Pocken vor rund 40 Jahren. "Nun müssen wir Polio endgültig beenden", sagte die Leiterin der WHO in Afrika, Matshidiso Moeti. Denn noch immer besteht auf dem Kontinent eine seltene, von Impfungen stammende Form von Polio.

Polio galt jahrzehntelang als eine extrem große Bedrohung für Kinder weltweit. Die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von kurzer Zeit zu Lähmungen führen, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren sind betroffen. 1988 beschloss die Weltgemeinschaft, die Krankheit auszurotten. Doch die Herausforderungen in Afrika waren gewaltig: Konflikte, schlechte Infrastruktur, Menschen auf der Flucht und Misstrauen gegenüber Impfungen erschwerten die Arbeit der Helfer.

1996 lähmte das wilde Poliovirus laut der WHO mehr als 75.000 Kinder in Afrika. Jedes Land auf dem Kontinent war betroffen. Erst als Südafrikas ehemaliger Präsident Nelson Mandela im selben Jahr eine Kampagne startete, zeigte der Kampf gegen die Krankheit in Afrika Wirkung. Millionen von Impfungen wurden verabreicht, laut der WHO konnten so rund 1,8 Millionen Fälle von Lähmung durch Polio verhindert werden.

Doch die globale Gefahr ist noch nicht gebannt - Pakistan und Afghanistan kämpfen noch immer gegen die Krankheit. "Wir haben bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit erzielt, konnten aber leider keine Polioausrottung im Land erreichen", sagte der Koordinator der Polio Eradication Initiative in Pakistan, Rana Safdar. In dem Land wurden in diesem Jahr bisher 67 Fälle mit dem Polio-Wildtyp bestätigt, in Afghanistan 37.

Coronakrise erschwert Impfkampagnen: Der Kampf gegen Polio ist dort besonders schwer wegen islamistischer Extremisten, die die Verschwörungstheorie verbreiten, der Westen wolle muslimische Kinder sterilisieren. Immer wieder werden Impfkampagnen von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet. In diesem Jahr erschwerte vor allem die Coronakrise die Arbeiten: Wegen der Pandemie wurden in beiden Ländern Impfkampagnen ausgesetzt, allein in Pakistan fehlten dadurch Schätzungen zufolge rund 40 Millionen Kindern die wichtige Schutzimpfung gegen die Erkrankung.

Doch auch in diesen Ländern könnte Polio in den kommenden Jahren ausgerottet werden. Michael Galway, der stellvertretende Leiter des Polio-Programms bei der Gates Foundation, glaubt, dass auch Afghanistan und Pakistan innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre frei von wildem Polio werden könnten. Die Gates Foundation ist eine der Organisationen, die weltweit Polio bekämpfen. "Innerhalb des nächsten Jahrzehnts werden wir hoffentlich jede Form von Polio beenden."

Bis dahin besteht auch in Afrika weiterhin die Gefahr, dass wildes Polio durch einen importierten Fall zurückkehrt. "Polio irgendwo (auf der Welt) ist ein Risiko für jedes Land", sagte Galway. Daher werden weiterhin Kinder geimpft, und die Krankheit wird verfolgt.

Außerdem kann auch die Impfung selbst in vereinzelten Fällen eine bestimmte Form von Polio auslösen. Solche Fälle gibt es derzeit in 16 afrikanischen Ländern.

Der Erfolg des Polio-Programms sei nicht nur die Ausrottung der Krankheit in Afrika, sagt Pascal Mkanda, der die Polio-Bekämpfung bei der WHO Afrika leitet. Das Programm sei in Sachen Personal, Infrastruktur und Expertise größer als jedes andere Gesundheitsprogramm auf dem Kontinent. Bereits jetzt werden demnach Helfer und Infrastruktur nun für den Kampf gegen das Coronavirus eingesetzt. "Das ist das wahre Erbe des Programms. Das wird bleiben, lange nachdem Polio weltweit ausgerottet wurde."

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