Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Asteroid nahe an der Erde

Asteroid nahe an der Erde

Baku, 7. Oktober, AZERTAC

Er ist so groß wie ein Haus und wird die Erde am Donnerstagmorgen, dem 12. Oktober, nur knapp verfehlen - um lediglich 44.000 Kilometer. Der Abstand entspricht nur dreieinhalbmal dem Durchmesser der Erde; der Abstand Erde-Mond ist mit rund 400.000 Kilometer etwa neunmal so groß.

Würde der Asteroid "2012 TC4" die Erde treffen, hätte das beträchtliche Folgen - etwa so wie 2013 rund um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk. Ein Asteroid ähnlicher Größe löste damals schwere Stoßwellen aus, als er in der Luft zerbarst; etwa 1500 Menschen wurden verletzt, rund 7000 Gebäude beschädigt. Ein anderer Flugwinkel hätte noch weitaus gravierendere Folgen haben können.

Weil der nächste Einschlag nur eine Frage der Zeit ist, wollen Forscher aus dem Vorbeiflug von "2012 TC4" wichtige Erkenntnisse für die Zukunft ziehen. Der Asteroid, dessen Durchmesser die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf 12 bis 27 Meter schätzt, biete "eine exzellente Gelegenheit, die internationalen Fähigkeiten zur Erkennung und Verfolgung erdnaher Objekte zu testen und unsere Fähigkeiten zu überprüfen, wie wir gemeinsam auf eine reale Bedrohung reagieren können", schreibt die Europäische Raumfahrtagentur Esa.

"Ein Fall wie in Tscheljabinsk kommt alle 40 bis 50 Jahre vor", sagt Rüdiger Jehn vom Europäischen Raumflugkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Ein Ereignis wie vor 108 Jahren, als ein 40 Meter großer Brocken aus dem All in Sibirien rund 2000 Quadratkilometer Wald vernichtete, gebe es nur alle 300 Jahre.

"Je größer der Asteroid, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit. Der Einschlag, der zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat, ist 65 Millionen Jahre her", sagt Jehn.

Nähert sich ein großer und potenziell gefährlicher Himmelskörper der Erde, hat man nach Einschätzung von Experten mit den aktuellen Kontrollmöglichkeiten in der Regel mehrere Jahre bis Jahrzehnte Vorlaufzeit, um Schutzmaßnahmen zu treffen.

"Die naheliegende Option wäre ein kinetischer Impakt", sagt Jehn. Dabei würde man den Asteroiden mit einem anderen Objekt kollidieren lassen, um ihn von seiner Bahn abzulenken. Er selbst verfolgt als Forschungsansatz einen sogenannten Gravity Tractor, wobei ein Raumschiff neben dem Asteroiden herfliegt und ihn über die gegenseitig ausgeübte Anziehungskraft von seinem Kurs abbringt.

"Im Notfall wäre auch ein nuklearer Einschlag denkbar. Aber das müssen wir wohl den Amerikanern überlassen. In Europa gibt es keine Bereitschaft, das zu testen", sagt Jehn.

Jehn strebt ein Frühwarnsystem an, mit dem man die jeweils gefährdeten Menschen etwa eine Woche vorher warnen kann. "Wenn wir der Bevölkerung sagen können "Bleibt dann in euren Kellern!", ist das wie eine Tornadowarnung. Man kann das sehr genau vorhersagen und einen großen Schaden vermeiden. Das wäre ein großer Fortschritt."

Im Moment sind die Budgets eher bescheiden. Bei der Esa stehen laut Jehn in den kommenden vier Jahren 26 Millionen Euro für die Asteroidenentdeckung und -abwehr zur Verfügung. Dabei konzentriere man sich vor allem auf die Entdeckung. Die Programme bei den Vereinten Nationen liefen "momentan auf Sparflamme".

Momentan geht es darum, den Himmel flächendeckend nach heranfliegenden Objekten abzusuchen und Lücken bei der Beobachtung zu schließen. Deswegen will die Esa 2019 ein sogenanntes Fly-Eye-Teleskop in Betrieb nehmen. Doch auch dann wird es keine absolute Sicherheit geben. Denn 15 bis 20 Prozent der erdnahen Objekte kommen laut Jehn von der Sonnenseite und sind für Teleskope unsichtbar.

Zudem gebe es "ein unheimlich kleines Restrisiko, dass ein Komet von weit draußen ankommt und dass wir ihn erst zwei Jahre vorher sehen", sagt Jehn. "Der Normalfall ist aber, dass wir davon ausgehen, dass wir das Objekt rechtzeitig sehen und genügend Zeit haben, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen und die Finanzierung zu sichern."

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