Beschleunigter Wasserkreislauf bedroht Ökosysteme
Baku, den 28. April (AZERTAG). Die Erderwärmung hat offenbar eine bisher unterschätzte, gefährliche Folge. Der Kreislauf von Verdunstung und Niederschlag beschleunigt sich dramatisch. Trockene Gegenden werden noch trockener, in regenreichen Regionen drohen enorme Niederschläge.
Der Klimawandel beschleunigt den irdischen Wasserkreislauf offenbar stärker als bisher angenommen. Laut einer neuen Studie beschleunigt jedes Grad mehr den Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlägen um rund acht Prozent. Das wiederum verändere die Niederschlagsmuster und verstärke die Ungleichheiten in der globalen Wasserversorgung. Trockene Regionen würden noch trockener, und in ohnehin schon wasserreichen Gebieten nähmen Starkregen und Überschwemmungen stärker zu.
Die jetzt ermittelte Beschleunigungsrate des Wasserkreislaufs sei doppelt so hoch wie von aktuellen Klimamodellen vorhergesagt, berichten die Forscher im Fachmagazin „Science“.“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Wasserkreislauf um 16 bis 24 Prozent intensiviert, wenn die Welt wie vorhergesagt zwei bis drei Grad wärmer wird“, schreiben Paul Durack vom Centre for Australian Weather and Climate Research in Hobart und seine Kollegen. Erste Anzeichen für diese Entwicklung gebe es bereits. Seit 1950 habe sich der Wasserkreislauf bereits um vier Prozent verstärkt.
Diese Verschiebung bedeute eine erheblich stärkere Bedrohung für menschliche Gesellschaften und Ökosysteme. Die veränderten Niederschlagsmuster beeinträchtigten die Nahrungsversorgung und den Zugang zu sauberem Wasser.
Es sei deshalb wichtig, das genaue Ausmaß der kommenden Veränderungen zu kennen, betonen die Wissenschaftler. Bisher seien solche Abschätzungen für den Wasserkreislauf aber schwierig gewesen, da es an konkreten Messungen vor allem über den Meeren fehlte. Zwar gebe es Beobachtungsdaten von Satelliten, diese seien jedoch ungenau und widersprüchlich. Da die Ozeane gut 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken und rund 80 Prozent der Niederschläge erhalten, haben sie einen großen Anteil am globalen Wasserkreislauf.