Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Bilharziose ist größter Killer

Bilharziose ist größter Killer

Baku, 21. Oktober, AZERTAC

Jedes Jahr sterben Zehntausende Menschen an Bilharziose. Ein deutsches Pharmaunternehmen hofft, die Wurmerkrankung bis 2030 in Afrika auszurotten. Noch aber fehlt ein wichtiges Mittel.

Im Wasser zu planschen, kann für Kinder in vielen Teilen Afrikas tödlich enden. In stehenden Gewässern lauert oft ein winziger Feind, der eine gefährliche Krankheit auslösen kann: Bilharziose. Über den Kontakt mit verunreinigtem Wasser infizieren Würmer in Afrika jedes Jahr mehr als 200 Millionen Menschen, vor allem Kinder. An der Krankheit sterben jährlich Zehntausende Menschen. "Bilharziose ist wahrscheinlich der größte Killer, von dem Sie noch nie gehört haben", erklärt das globale Bündnis zur Bekämpfung der Krankheit (GSA).

In einer Schule bei Abidjan, einer der größten Städte der Elfenbeinküste, bekamen am Mittwoch deshalb rund 2000 Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren präventiv das Bilharziose-Medikament Praziquantel. Mit solchen Aktionen zu flächendeckender präventiver Behandlung und parallelen Aufklärungskampagnen will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Bilharziose zurückdrängen. "Die Krankheit betrifft vor allem arme Menschen in den Tropen, die nur unzureichend Zugang zu sauberem Wasser haben", erklärt WHO-Experte Amadou Garba.

Im frühen Stadium führt Bilharziose oft zu Bauchschmerzen, Durchfall und Blut in Stuhl oder Urin. Ohne Behandlung entwickelt sie sich zu einer chronischen Krankheit, die zu schweren Organschäden führen kann, etwa zu Nierenversagen. "Weil es keine akut dramatische Krankheit ist, glauben die Menschen, es wäre nicht so gefährlich", sagt Garba. "Bilharziose ist ein schleichender Killer." Die WHO zählt Bilharziose zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten.

Würmer bohren sich in die Haut - Kommen die Menschen etwa beim Baden, Fischen oder Wäschewaschen mit verunreinigtem Wasser in Kontakt, bohren sich die Larven der Saugwürmer in die Haut. Anschließend dringen sie in Blutgefäße ein und befallen nach und nach auch Organe. Laut WHO wurden 2014 weltweit rund 62 Millionen Menschen wegen Bilharziose behandelt - rund 150 Millionen Infizierte erhielten demnach keine Medikamente.

Um das zu ändern, hat das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck seit 2008 insgesamt 500 Millionen Tabletten zur Behandlung der Krankheit gespendet. Künftig sollen es 250 Millionen Tabletten Praziquantel pro Jahr sein. Dafür setzt die Firma nach eigenen Angaben jährlich über 20 Millionen Euro ein. "Unser Ziel ist es, Bilharziose in Afrika auszurotten", sagte die Leiterin der Gesundheitssparte von Merck, Belén Garijo. Bis 2030 soll es demnach soweit sein.

Der WHO zufolge fordert Bilharziose jährlich zwischen 20.000 und 200.000 Todesfälle. Die Schätzung der Opferzahl ist so unpräzise, weil die Menschen zumeist an unspezifischen Folgen der Krankheit wie Organversagen sterben und nach ihrem Tod nicht mehr auf Bilharziose getestet werden.

Wie realistisch ist die schnelle Ausrottung? - Eine Impfung gegen die Krankheit gibt es nicht. Ab einem Alter von sechs Jahren kann Bilharziose zwar mit Praziquantel gut behandelt werden. Für kleinere Kinder fehlt jedoch noch ein geeignetes Medikament. Merck arbeitet derzeit an der Entwicklung eines solchen Präparats, das 2019 auf den Markt kommen soll.

Experten betrachten das Ziel, die Krankheit bis 2030 auszurotten, dennoch als sehr optimistisch - zumal es nicht allein mit Tabletten erreicht werden kann. "Dafür muss ein Land mit Medikamenten Chemoprophylaxe betreiben, den Zugang zu sauberem Wasser sicherstellen und Gesundheitsaufklärung betreiben", sagt Garba. Und das ist leichter gesagt als getan.

In besonders betroffenen Ländern wie zum Beispiel Tansania, Madagaskar und Kongo hat derzeit UN-Daten zufolge nur rund die Hälfte der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. "Wir brauchen im Kampf gegen Bilharziose noch größere Anstrengungen", fordert Garba.

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