Chinas unbändiger Energiehunger steuert das Klima
Baku, den 7. Dezember (AZERTAG). China hält gleich mehrere Weltrekorde: Es führt bei den Kohlendioxid-Emissionen und beim Energieverbrauch. Und dabei setzt das Land vor allem auf Kohle.
Geht es um Klimafragen, ist China weltweiter Spitzenreiter. Es entlässt am meisten Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre, hat den höchsten Energieverbrauch. Jährlich wächst die chinesische Wirtschaft um zehn Prozent und mit ihr der Energiehunger des Landes, in dem 1,3 Milliarden Menschen leben, fast doppelt so viele wie in Europa.
China führt aber auch bei Investitionen in erneuerbare Energien. „Ohne China lässt sich beim globalen Klimaschutz nicht viel erreichen“, urteilt Martin Kaiser. Er beobachtet für Greenpeace den UN-Klimagipfel in Durban.
Das Riesenreich hat zwei Seiten: Im östlichen Teil sind glitzernde Metropolen mit westlichem Lebensstandard und moderner Energieversorgung herangewachsen. In Shanghai etwa sollen Gaskraftwerke die Stadtluft schonen.
Diesem Fortschritt steht die ländliche Armut gegenüber, in Regionen, die bis heute vom Wirtschaftsboom weitgehend abgekoppelt sind. Hier ist Kohle oft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie wird in Tausenden kleinen Bergwerken unter prekären Bedingungen abgebaut.
Immerhin habe Peking viele kleine Minen schließen lassen und favorisiere die großen staatlichen Kohlekonzerne, die höhere Effizienz- und Sicherheitsstandards einhalten. Das reduzierte die tödlichen Unfälle: Vor zehn Jahren wurden knapp 7000 Tote pro Jahr im Kohlenbergbau gemeldet. 2010 waren es 2433.
Kohlekraftwerke erzeugen 79 Prozent des Stroms, die chinesische Schwerindustrie (Stahl, Zement, Aluminium) basiert auf ihr. Das Schienennetz ist fast zur Hälfte damit ausgelastet, Kohle zu transportieren. Zwar soll ihr Anteil am Strommix bis 2020 auf 65 Prozent sinken. Dennoch geht derzeit jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz.
Immerhin werden Altanlagen mit extrem niedrigem Wirkungsgrad vom Netz genommen, sagt Sven Teske, Energieexperte von Greenpeace International. Nicht nur bei der Kohle, auch bei den grünen Energien steckt China die restliche Welt in die Tasche.