„Der die Welt rettende Professor ist gescheitert“
Baku, den 12. Dezember (AZERTAG). Der Gipfel von Durban enttäuschte, die Umweltpolitik steckt fest. Schuld seien gerade Klimaforscher, die aus Eitelkeit und Missionarseifer auf die Senkung des CO2-Ausstoßes fixiert sind, schreiben die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch in einem Gastbeitrag. Sie fordern eine offene Debatte über Maßnahmen gegen die Erwärmung.
Der Versuch von Naturwissenschaftlern, eine erfolgversprechende Klimapolitik anzuleiten, ist gescheitert. Eine Politik, die von Wissenschaftlern verordnet wird, ist offenbar nicht möglich. Ursache dafür ist ein falsches Verständnis der Rolle der Klimaforschung und die Vereinfachung des Problems Klimawandel. Sich allein auf die Einschränkung der Treibhausgasemissionen als einziges Mittel gegen den Klimawandel zu konzentrieren, war ein Fehler.
Wir vermuten, dass es letztlich diese von Wissenschaftlern angestrebte Einengung der Handlungsoptionen war, die den Klimaschutz zum Spielball im politischen Tagesgeschäft werden ließ. Mittlerweile hat sich die Politik abgewendet: Ganz anders als in den Jahren 2007 oder 2009, in denen die Uno-Klimakonferenzen in Bali und Kopenhagen stattfanden, steht das Klimathema heute nicht als wichtiges Zukunfts- und Umweltthema auf der Tagesordnung der gesellschaftlich besorgniserregenden Themen. Die schrillen Töne der „letzten Gelegenheit Kopenhagen“ haben nicht den erhofften politischen Schub gebracht. Der Uno-Klimagipfel in Durban war ein Abgesang.
Welche Rolle aber sollen Wissenschaftler künftig einnehmen? Das sogenannte „lineare Modell“ der Verbindung von Wissenschaft und Politik trägt jedenfalls nicht. Dieses verspricht, dass mehr und bessere Wissenschaft zu besseren politischen Entscheidungen führt, politisches Handeln also rational begründbar wäre. Politiker würden ihre Entscheidungen im Lichte neuer Informationen demzufolge ändern. Dass dieses Modell nicht funktioniert, weiß man in den Kulturwissenschaften schon lange. Bei Naturwissenschaftlern und oft auch in der Politik wird diese Einsicht aber nicht zur Kenntnis genommen.