Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Die letzten vier ihrer Art

Die letzten vier ihrer Art

Baku, 6. August, AZERTAC

Da waren's nur noch vier: In einem tschechischen Zoo ist eines von nur noch fünf verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashörnern gestorben. Das Aus für die Art scheint besiegelt zu sein, doch Forscher geben nicht auf.

Die Nördlichen Breitmaulnashörner sind akut vom Aussterben bedroht, nun starb eines der letzten fünf Exemplare in einem Zoo in Tschechien. „Dieser Verlust ist schwer in Worte zu fassen“, sagte der Direktor des Tierparks in Dvur Králové, Premysl Rabas.

Das weibliche Nashorn namens Nabire habe an einer mehr als 40 Kilogramm schweren Zyste gelitten und sei am Montagabend gestorben. „Es gab keine Möglichkeit, sie zu heilen.“ Nabire kam im November 1983 in dem Zoo im Norden Tschechiens auf der Welt und hatte bereits in den vergangenen Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Die weltweite Population der Nördlichen Breitmaulnashörner ist mit Nabires Tod nun auf vier Tiere geschrumpft. Ein älteres Weibchen ist in einem Zoo in San Diego untergebracht. Dort war erst im Dezember 2014 mit dem Bullen Angalifu das sechstletzte Nördliche Breitmaulnashorn verstorben. Ein ebenfalls betagter Bulle lebt mit zwei Nashorn-Kühen in einem Reservat in Kenia.

Die drei Breitmaulnashörner waren 2009 aus dem Zoo in Dvur Králové nach Afrika gebracht worden, in der Hoffnung, dass sie sich in freier Wildbahn vermehren würden. Doch der Versuch scheiterte. Der einzige für die Zucht infrage kommende Bulle starb im Oktober 2014.

Letzte Chance: Künstliche Befruchtung - Die letzte Hoffnung für die Nördlichen Breitmaulnashörner liegt nun in einer künstlichen Befruchtung mit eingefrorenem Sperma von Tieren aus dem Zuchtprogramm des tschechischen Zoos, das im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung lagert.

Nabire wurde nach ihrem Tod eine Eizelle entnommen. Sie wurde an ein Speziallabor in Italien geschickt. Ein junges, südliches Breitmaulnashorn könnte den Embryo austragen. Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Befruchtung sei zwar gering, sagte Rabas. Dennoch müsse alles versucht werden, um die Dickhäuter vor dem Aussterben zu retten.

Nördliche Breitmaulnashörner wurden in der Vergangenheit in Massen von Wilderern getötet, da ihren Hörnern vor allem im asiatischen Raum heilende oder potenzsteigernde Wirkung nachgesagt wird. Kriminelle Banden haben sich auf den Handel mit dem Material spezialisiert. Die Uno schätzt, dass Händler jedes Jahr mehr als 200 Milliarden Dollar (147 Milliarden Euro) mit dem Handel illegaler Tierprodukte wie Horn oder Elfenbein umsetzen.

Die Menschheit habe mit ihrer „unsinnigen Habgier“ eine weitere Tierart an den Rand des Aussterbens gebracht, beklagt Rabas.

Künstliche Befruchtung soll es richten - Auch die Zahl der Südlichen Breitmaulnashörner, die in Angola, Namibia, Botswana, Simbabwe und Mosambik vorkommen, war einst bedenklich niedrig. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es nur noch etwa 20 Tiere. Inzwischen hat sich die Population erholt. In Schutzgebieten im Süden Afrikas leben heute etwa 20.000 Südliche Breitmaulnashörner, es handelt sich damit um die am weitesten verbreitete Nashornart.

Es gibt weitere Beispiele, dass sich extrem niedrige Tierbestände wieder erholen können. So berichteten Forscher im Mai 2013, dass die heute lebenden Zwergkiwis von nur fünf Exemplaren abstammen, die 1912 auf Kapiti Island ausgesetzt wurden. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Nashörnern und Kiwis: Die Vögel pflanzen sich deutlich intensiver fort als Nashörner. Die Chancen, dass das Nördliche Breitmaulnashorn erhalten bleibt, sind also äußerst gering.

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