Eisfläche von der Größe New Yorks vor dem Abbruch
Baku, den 4. November (AZERTAG). In der Antarktis deutet ein gigantischer Riss den Abbruch einer Eisplatte vom Pine-Island-Gletscher an. Die Schmelze hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt.
In der Antarktis könnte demnächst ein 890 Quadratkilometer großer Eisberg abbrechen, das entspricht fast der Größe von New York City. Forscher der US-Raumfahrtagentur Nasa entdeckten im Gletscher von Pine Island im Westen der Antarktis (105 Grad West) einen riesigen Riss, der stetig größer wird und auf eine baldige Abspaltung vom Gletscherstrom hinweist.
Die Spalte sei derzeit mindestens 30 Kilometer lang, 80 Meter breit und 50 Meter tief, sie verbreitere sich um etwa zwei Meter pro Tag, sagt Michael Studinger, Leiter des Nasa-Projekts „IceBridge“. Die Wissenschaftler rechnen mit der Entstehung des Eisbergs Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres.
Die schwimmende Eisinsel wird sich dann vermutlich vor der antarktischen Küste westwärts bewegen, angetrieben von einer starken Wind- und Meeresströmung, dem antarktischen Zirkumpolarstrom. Eine besondere Gefahr für die Schifffahrt geht von der Eismasse nicht aus.
Die Polarforscher hatten erstmals Ende September den Riss im Pine-Island-Gletscher gesehen und dann bei weiteren Überflügen festgestellt, dass sich die Spalte vergrößert. Die Nasa überwacht die Veränderungen des mächtigen antarktischen Eisschildes regelmäßig von Flugzeugen aus.
Der Pine-Island-Gletscher ist einer der größten und sich am schnellsten in Richtung Meer bewegenden Gletscher der Antarktis. Rund zehn Prozent des gesamten Eisabflusses um den eisigen Kontinent in das Südpolarmeer geschieht über diesen Eisstrom. Sein Schelfeis ist in den vergangenen Jahrzehnten dünner geworden, die Fließgeschwindigkeit hat sich erhöht.