Hohe Inflation gefährdet Chinas Wirtschaftsboom
Baku, den 9. Februar (AZERTAG). China bekommt seine hohe Inflation nicht in den Griff. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise unerwartet stark um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das dürfte es dem Land noch schwerer machen, seine Funktion als Antreiber der Weltwirtschaft zu erfüllen.
Die Inflation in China hat sich überraschend wieder verstärkt. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt in Peking berichtete. Im Dezember hatte der Zuwachs 4,1 Prozent betragen. Experten hatten mit einem weiteren Rückgang gerechnet.
Besonders stark stiegen die Preise für Lebensmittel. Im Schnitt legten sie um 10,5 Prozent zu. Bei Schweinefleisch, das in China als besonders wichtiges Nahrungsmittel gilt, lag die Teuerungsrate sogar bei 25 Prozent.
Die Zahlen sind ein herber Rückschlag für die chinesische Regierung, die seit langem versucht, die Inflation in den Griff zu kriegen. Dazu hatte sie mehrmals die Zinsen erhöht und die Kreditvergabe der Banken gedrosselt. Zunächst schien diese Politik auch erfolgreich: Zwischen Juli und Dezember 2011 war die Inflationsrate von 6,5 Prozent auf 4,1 Prozent gefallen.
Doch nun könnte es weiter nach oben gehen. Die Zahlen vom Dezember “erhöhen unsere Sorge, dass das Inflationsrisiko nicht verschwindet”, sagte der Experte Zhiwei Zhang von der japanischen Nomura-Bank. Ähnlich werde es auch der chinesischen Politik ergehen.
Die Regierung in Peking gerät durch die wieder steigende Inflation in eine Zwickmühle: Eigentlich müsste sie das zuletzt schwächelnde Wachstum ankurbeln. Doch dies würde die Inflation weiter schüren.
Die chinesische Wirtschaft war im letzten Quartal 2011 vergleichsweise langsam gewachsen. Auf Jahressicht stieg das Bruttoinlandsprodukt um gerade mal 8,9 Prozent - der geringste Wert seit mehr als zwei Jahren.
China ist wie kaum ein anderes Land auf hohes Wachstum angewiesen, um breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand teilhaben zu lassen und soziale Unruhen zu vermeiden. Zuwachsraten von weniger als acht Prozent gelten als problematisch. Zugleich ist das Land extrem wichtig für die Weltkonjunktur. Weil die klassischen Industrieländer wie die USA oder Japan in den vergangenen Jahren nur noch wenig zum weltweiten Wachstum beitragen konnten, lasten die Hoffnungen umso mehr auf Staaten wie China.
Der Internationale Währungsfonds IWF hatte das Land jüngst vor einem Konjunktureinbruch gewarnt. Falls die Euro-Krise eskaliere, drohe sich das Wachstum in China in diesem Jahr auf vier Prozent zu halbieren.