Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Hyundai wagt eine neue Strategie

Hyundai wagt eine neue Strategie

Baku, 19. November, AZERTAC 

Hyundai bricht der Umsatz weg. Der koreanische Autobauer hofft nun auf die Schwäche von VW - und eine neue Luxuslinie.

Der koreanische Autohersteller Hyundai wagt eine neue Strategie. Seit längerer Zeit schon denken die Konzernstrategen daran, eine eigene Premium-Tochter ins Rennen zu schicken. Deren Glanz soll dann endlich auch Hyundai von seinem Billigheimer-Image befreien. Jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen. Denn nach Jahren stetigen Wachstums mit einfach konstruierten und preisgünstigen Autos, werden die ersten Ermüdungserscheinungen erkennbar.

Besonders schwierig war es im Frühjahr. Da brach der Umsatz drei Monate in Folge ein - weltweit. Im Mai verkaufte der Konzern knapp 6,5 Prozent weniger Autos als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders krass fiel der Nachfragerückgang in China aus, wo sich die Händler mit einem Rückgang um 31 Prozent abfinden mussten. Im vierten Quartal 2015, so die Überzeugung von Marktbeobachtern, geht es für die Koreaner nur noch um Schadensbegrenzung.

Hyundai-Präsident und Designchef Peter Schreyer nennt die Ursachen: "Wir haben uns lange auf den Massenmarkt konzentriert und mit Autos zu günstigen Preisen Punkte gemacht", sagt er im Gespräch. Doch Schreyer räumt indirekt ein, dass diese Strategie allmählich an ihre Grenzen stößt. Autos lassen sich eben besser verkaufen, wenn sie Emotionen ansprechen.

Premium-Marke soll Glanz bringen - Dafür soll jetzt die neue Premium-Marke sorgen, die über den Alltags-Hyundais und -Kias thront. Namensgeber der neuen Marke soll der Genesis werden, der seit 2008 mit luxuriöser Ausstattung in der oberen Mittelklasse zu punkten versucht. Bis 2020 soll die Palette auf sechs neue Modelle anwachsen. In Korea, China, Nordamerika und im Mittleren Osten hat die Genesis-Familie bereits eine gewisse Eigenständigkeit entwickelt. Das soll jetzt auch in Europa gelingen.

Doch alles auf einmal geht nicht, das zeigen die Defizite, die sich bei dem neuen Kurs auftun. Noch fehlen zum Beispiel viele Modelle im Angebot, die Autokäufer heutzutage in großer Zahl anlocken. In den USA und in China - auch für Hyundai die wichtigsten Märkte - gieren die Kunden nach billigen SUVs und sogenannten Crossover-Modellen - auch die für ihre rationale Entscheidungsfindung beim Autokauf bekannten Hyundai-Kunden. Hyundai jedoch hatte bislang lediglich den Santa Fe im Programm.

Seit Juni erweitert nun der Creta die Modellpalette, ein SUV der unterhalb des Santa Fe rangiert und zunächst nur auf dem indischen Markt angeboten werden soll, später auch in China. In Europa und den USA läuft dagegen gerade der Verkauf des Mittelklasse-SUVs Tucson an. Der Hoffnungsträger soll alle Tugenden verkörpern, die sich die Koreaner gerne auf die Fahnen schreiben. "Wir sind stolz auf dieses Auto", sagt Schreyer.

Ansonsten sind es vor allem die Designstudien, die Aufsehen erregen. Dazu gehört der zu Beginn des Jahres auf der Detroit Motor Show vorgestellte Pick-up mit dem Namen Santa Cruz, der ab Ende 2016 in Serie gebaut werden soll.

Neue Werke in China - Zwei neue Werke in China sollen ein weiteres Problem lösen. Im Prinzip leidet Hyundai unter den gleichen Renditekillern wie der Lieblingskonkurrent Volkswagen Chart zeigen: In den heimischen Werken ist das Lohnniveau hoch und die Landeswährung Won gewinnt ständig an Wert. Das macht Preisschlachten mit den Wettbewerbern so schwierig. Von China aus sollen auch Brasilien oder Russland bedient werden, wo Hyundai rund zwölf Prozent seiner Produktion verkauft.

In den beiden Schwellenländern hat Hyundai bereits ein Ziel erreicht, das Schreyer so nie offen benennen würde: Volkswagen zu überholen. In diesen Märkten war die Übung einfach, denn die Wolfsburger hatten mit dem Golf (Brasilien) und dem Stufenheck-Polo (Russland) zwei Uralt-Modelle im Programm, die niemand mehr haben will.

Insgeheim hofft man in Korea auf einen zusätzlichen Schub durch die Abgasaffäre bei VW, auch wenn man das offiziell natürlich nie zugeben würde. "Der Imageschaden, den VW in den USA aber auch anderswo in der Welt erlitten hat, könnte Hyundai Chart zeigen helfen, weiteren Boden gut zu machen", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Aber die Koreaner müssten aufpassen, fügt Pieper hinzu. Es sei schließlich kaum ein Jahr vergangen, seit der Konzern in den USA gemeinsam mit Kia rund 750 Millionen Dollar an Strafzahlungen habe leisten müssen - wegen geschönter Angaben zum Spritverbrauch seiner Autos.

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