Internationale Konferenz zum Thema „Deutsche Architektur in Aserbaidschan“ in Baku eröffnet
Baku, 11. Juni, AZERTAC
Am 11. Juni hat im Rahmen des in Aserbaidschan ausgerufenen „Jahres des Städtebaus und der Architektur“ eine internationale Konferenz zum Thema „Deutsche Architektur in Aserbaidschan“ ihre Arbeit aufgenommen.
Wie AZERTAC berichtet, wird die Veranstaltung gemeinsam von der Aserbaidschanischen Universität für Architektur und Bauwesen, der Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft sowie dem Institut für Architektur und Kunst der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans organisiert. An der Konferenz nehmen Wissenschaftler aus der Türkei, Deutschland, Georgien und weiteren Ländern sowie bekannte Architekten, Historiker und Kulturschaffende Aserbaidschans teil.
Zu Beginn der Konferenz wurde eine Fotoausstellung besichtigt. Dabei sprachen die Rektorin der Universität, Professorin Gültschöhrä Mämmädova, der Vorsitzende der Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft, Professor Tschingiz Abdullayev, der stellvertretende Vorsitzende des Aserbaidschanischen Künstlerverbandes, Volkskünstler Aghali Ibrahimov, sowie die Dekanin der Architekturfakultät, Professorin Zahidä Mämmädova, über die wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung der Ausstellung.
Die internationale Konferenz im Hauptgebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans wurde mit einer Eröffnungsrede des Direktors des Instituts für Architektur und Kunst, des korrespondierenden Mitglieds der Akademie und Professors Artegin Salamzade, eröffnet. Er betonte, dass die Ausrufung des Jahres 2026 zum „Jahr des Städtebaus und der Architektur“ sowie die Ausrichtung der 13. Sitzung des Weltstädteforums (WUF13), einer der bedeutendsten Veranstaltungen der Vereinten Nationen, in Baku die Position Aserbaidschans als internationales Zentrum für Städtebau und Architektur weiter stärke.
Salamzade erklärte, dass Baku zu den Städten gehöre, in denen deutsche Architekten insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutliche Spuren hinterlassen hätten. Wohn-, öffentliche und andere Gebäude, die unter Mitwirkung deutscher Architekten errichtet wurden, hätten wesentlich zur architektonischen Entwicklung der Stadt beigetragen.
Bei seiner Rede sprach er auch die Geschichte deutscher Siedlungen in Aserbaidschan, die Tätigkeit deutscher Architekten, die bis heute erhaltenen Beispiele deutscher Architektur sowie die Bedeutung ihrer Bewahrung für künftige Generationen an. Er wies darauf hin, dass Deutsche nicht nur in Baku, sondern auch in verschiedenen Regionen Aserbaidschans kompakt angesiedelt waren und dort ebenfalls architektonische Zeugnisse hinterlassen haben.
Anschließend sprach der Vorsitzende der Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft, Professor Tschingiz Abdullayev, über die Bedeutung des deutschen Architekturerbes in Aserbaidschan. Er verwies darauf, dass sich Beispiele deutscher Architektur in verschiedenen Regionen des Landes finden, insbesondere in Göygöl, Schämkir und Gädäbäy. Diese Bauwerke seien ein untrennbarer Bestandteil des kulturellen und architektonischen Umfelds des 19. und 20. Jahrhunderts.
Professor Abdullayev hob zudem hervor, dass eines der wertvollsten Beispiele deutscher Architektur die Deutsche Lutherische Kirche in Baku sei. Das 1899 eröffnete Bauwerk habe bereits damals als eines der herausragenden architektonischen Juwelen der Stadt gegolten und nehme bis heute einen besonderen Platz im Stadtbild ein.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden mehrere Personen von der Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft für ihre Verdienste um die Entwicklung der deutsch-aserbaidschanischen Architekturbeziehungen und der Freundschaftstraditionen mit Ehrenurkunden ausgezeichnet.
Zu den weiteren Rednern der Konferenz gehörten Professor Vedat
Caliskan von der Universität Çanakkale Onsekiz Mart in der Türkei, die Leiterin einer Abteilung des Instituts für Architektur und Kunst, die Architekturwissenschaftlerin Rahiba Aliyeva, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Ellada Abbasova, der Vorsitzende der Georgisch-Deutschen Vereinigung, Alexander Feldmeier, die deutsche Forscherin Inge Sturm, die Wissenschaftlerin Aysegul Ozer von der Özyeğin-Universität in der Türkei sowie die Doktorandin an der Aserbaidschanischen Universität für Architektur und Bauwesen, Aygün Imanova.
Die Referenten befassten sich mit den historischen und sozialen Faktoren, die die Entwicklung der deutschen Architekturschule im Südkaukasus und insbesondere in Aserbaidschan beeinflusst haben, mit der Rolle deutscher Architekten im Städtebau sowie mit Fragen der Erforschung und des Schutzes erhaltener Architekturdenkmäler in verschiedenen Regionen. Dabei wurde betont, dass das architektonische Erbe nicht nur als historisches Denkmal, sondern auch als kulturelles Gedächtnis, Bestandteil der Identität und strategische Ressource für die Entwicklung moderner Städte betrachtet werden müsse.
Für den 12. Juni ist eine Exkursion der Konferenzteilnehmer in den Rayon Göygöl vorgesehen. Dort sind Treffen mit Vertretern der Regionalverwaltung, Besichtigungen deutscher Architekturdenkmäler sowie Besuche historischer und kultureller Stätten der Region geplant.