Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimawandel könnte an Mikronährstoffen wie Eisen und Zink verschärfen

Klimawandel könnte an Mikronährstoffen wie Eisen und Zink verschärfen

Baku, 4. Juli, AZERTAC

Der Klimawandel könnte den bereits in vielen Ländern herrschenden Mangel an Mikronährstoffen wie Eisen und Zink verschärfen. Schuld daran ist der steigende Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre. Sind die CO2-Werte zu hoch, lagern Getreidepflanzen weniger Eisen und Zink ein. Für Menschen, die bereits unter einem Mangel leiden, wird es dann noch schwerer, die Mikronährstoffe in ausreichender Menge aufzunehmen.

Personen mit Eisen- und Zinkmangel stecken sich leichter mit Krankheiten an und sind anfälliger für Durchfall und Blutarmut. Das werde viel Leid verursachen, schreiben Forscher im Fachmagazin "PLOS Medicine". Besonders stark betrifft das Problem Menschen in Südostasien und Afrika.

Die Wissenschaftler um Christopher Weyant von der Stanford Universität in Kalifornien stellten Modellrechnungen an, um herauszufinden, wie sehr sich der Mangel bis 2050 auf die Menschheit auswirken könnte. In ihre Berechnung bezogen sie 137 Länder ein.

Um ihre Ergebnisse zu veranschaulichen, gaben sie an, wie viele Lebensjahre der Menschheit durch die Folgen des Nährstoffmangels fehlen könnten. Diese Lebenszeit nannten sie Dalys (disability-adjusted life years), Jahre, die durch vorzeitigen Tod oder durch eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung verloren gehen.

Im schlechtesten Fall kostet die Erderwärmung 126 Millionen Lebensjahre zusätzlich - Bleibt die CO2-Konzentration konstant, verliert die Menschheit demnach bis zum Jahr 2050 knapp 1,1 Milliarden Dalys aufgrund von Eisen- und Zinkmangel. Wird berücksichtigt, dass durch den Klimawandel die Nährstoffkonzentration im Getreide sinkt, kommen fast 126 Millionen Dalys dazu. Falls die Staatengemeinschaft die Pariser Klimaziele einhält, würden diese zusätzlichen Dalys fast halbiert.

Im schlechtesten Fall gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von etwa 400 Teilchen pro Million im Jahr 2015 auf 550 im Jahr 2050 steigt. Bei diesem Szenario würden Pflanzen wie Weizen oder Reis den Forschern zufolge fünf bis zehn Prozent ihrer Zink- und Eisen-Konzentration einbüßen. Hält die Staatengemeinschaft jedoch die Pariser Klimaziele ein, würde die CO2-Konzentration auf 480 Teilchen pro Million steigen.

Dass eine steigende CO2-Konzentration dazu führt, dass Getreidepflanzen weniger Eisen und Zink einlagern, zeigten bereits frühere Experimente. Warum das so ist, ist nicht klar. Möglicherweise sinkt die Zahl der Proteine in den Pflanzen, die diese Mikronährstoffe enthalten.

Klimawandel beeinflusst auch die Erträge - Remy Manderscheid, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Biodiversität in Braunschweig, hält die Aussagekraft der aktuellen Studie allerdings für begrenzt. Zwar sei die Modellrechnung der US-amerikanischen Forscher in Ordnung. Manderscheid kritisiert aber, dass andere Effekte, die der Klimawandel auf die Landwirtschaft hat, nicht berücksichtigt wurden.

Wichtig seien auch die Auswirkungen, die die Erderwärmung auf die landwirtschaftlichen Erträge hat. Diese haben laut Manderscheid einen wesentlich höheren Einfluss auf die Versorgung der Menschen, auch wenn das eine gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln voraussetzt.

Wie sich der Klimawandel auf die Erntemengen auswirkt, sei je nach Weltregion sehr unterschiedlich, sagt Manderscheid. In Deutschland würden sie durch die höhere CO2-Konzentration um 15 Prozent steigen, da CO2 ein wichtiger Wachstumsfaktor für Pflanzen sei. In Subsahara-Afrika oder Südostasien hingegen steigen die Temperaturen und sinken die Niederschläge. Dort, schätzt Manderscheid, dürfte der positive Effekt der hiesigen Gebiete nicht nur aufgehoben werden, sondern sich umkehren.

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