Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimawandel steigert Keim-Gefahr in der Ostsee

Baku, den 23. Juli (AZERTAG). Der Klimawandel macht sich auch in der Ostsee bemerkbar - und zwar unangenehm. Laut einer neue Studie fördert das wärmere Wasser die Vermehrung potentiell gefährlicher Bakterien. Mit jedem Grad höherer Wassertemperatur werde sich die Zahl der Krankheitsfälle verdoppeln.

Die globale Erwärmung beeinflusst nicht nur das Wetter, sondern auch die Verbreitung von Krankheitserregern. Das betrifft auch Deutschland, wie eine aktuelle Studie jetzt ergeben hat. Die steigenden Temperaturen fördern demnach die Vermehrung krankmachender Bakterien in der Ostsee.

Bereits jetzt infizierten sich in warmen Sommern immer mehr Menschen mit Vibrio vulnificus, einem Erreger von Wundinfektionen, Durchfall und Blutvergiftungen, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Nature Climate Change“. Auch der eng verwandte Cholera-Erreger, Vibrio cholerae, sei auf dem Vormarsch. Ursache für die Ausbreitung der Bakterien sei das wärmer werdende Meerwasser.

Für jedes Grad, das sich die Ostsee zukünftig erwärme, werde sich die Anzahl der Krankheitsfälle um fast das Doppelte erhöhen. Betroffen von diesem steigenden Infektionsrisiko seien vor allem die dicht besiedelten Küsten der mittleren und südlichen Ostsee, warnen die Wissenschaftler. Neben Dänemark und Südschweden betrifft dies auch Deutschland und Polen.

„Dies ist einer der ersten Belege dafür, dass der Klimawandel Vibrio-Krankheitserreger auch in gemäßigte Regionen vordringen lässt“, schreiben Craig Baker-Austin vom Centre for Environment, Fisheries and Aquaculture Science im britischen Weymouth und seine Kollegen. Das zeige, dass die menschengemachte Erwärmung auch die Verteilung von Infektionskrankheiten zu verändern beginne.

Neben dem Cholera-Erreger Vibrio cholerae kommt in warmem Meerwasser vor allem das Bakterium Vibrio vulnificus vor. Es ruft bei gesunden Menschen Durchfall, Erbrechen und Bauschmerzen hervor. Gelangt es über Wunden in den Blutkreislauf oder ist das Immunsystem der Erkrankten geschwächt, kann es auch lebensbedrohliches Fieber und eine Blutvergiftung auslösen.

Ostsee erwärmt sich schneller als andere Meere-Die Forscher analysierten die bisherigen Fälle von Infektionen durch wasserlebende Bakterien im Ostseeraum. Auf Basis gängiger Klimaprognosen ermittelten sie zudem, wie sich das Infektionsrisiko bis 2050 entwickeln wird.

Die Bakterien der Vibrio-Gruppe bevorzugen normalerweise Wasser von mindestens 15 Grad Celsius sowie niedrige Salzgehalte. Lange Zeit war die Ostsee in weiten Teilen zu kalt, so dass die Erreger nicht auf Dauer überleben konnten. Durch den Klimawandel hat sich dies jedoch geändert. „Allein zwischen 1982 und 2007 sind die Wassertemperaturen in der Ostsee um 1,35 Grad Celsius angestiegen - das ist siebenmal mehr als im globalen Durchschnitt“, sagen die Forscher. Die Ostsee sei damit das sich am schnellsten erwärmende Meeresökosystem überhaupt.

Das wärmer werdende Ostseewasser bietet den Krankheitserregern immer bessere Lebensbedingungen. Sie können sich schneller vermehren, und auch ihre krankmachende Wirkung nimmt zu, wie die Forscher berichten. Während der extrem warmen Sommer 1994, 2003 und 2006 habe es an der Ostseeküste bereits zahlreiche Berichte über infizierte Wunden und auch Cholerafälle gegeben. Allein im Jahr 2006 steckten sich 67 Menschen beim Baden oder Wassersport mit Vibrio-Erregern an, einige starben.

Risiko für 30 Millionen Menschen steigt-Bis zum Jahr 2050 werde die Anzahl der Vibrio-Infektionen deutlich zunehmen, wenn die Erwärmung der Ostsee weiter fortschreite, glauben die Forscher. Jedes Grad mehr an Wassertemperatur erhöhe die Infektionszahl um das 1,93-fache. Krankheitsfälle seien dann nicht mehr nur in extrem warmen Sommern zu erwarten. Außerdem werde sich das Risikogebiet weiter nach Norden ausbreiten. Dann könnten auch Ballungsgebiete wie Stockholm und St. Petersburg gefährdet sein.

„Mehr als 30 Millionen Menschen leben weniger als 50 Kilometer von der Ostsee entfernt“, schreiben Baker-Austin und seine Kollegen. Diese Bevölkerung trage ein zunehmendes Risiko, sich über offene Wunden, verseuchte Meeresfrüchte, aber auch verschlucktes Wasser mit den Vibrio-Keimen zu infizieren.

 

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