Mediziner filtern Stammzellen
Baku, den 15. August (AZERTAG). Stammzellen sind der Rohstoff für Ersatzteile des menschlichen Körpers. Doch manche entwickeln sich nicht zu den erwünschten Organen, sondern zu gefährlichen Geschwulsten. Mediziner haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich schädliche Stammzellen aussortieren lassen.
Stammzellen sind eine der großen Hoffnungen der Medizin, weil sie eines Tages Ersatzgewebe und womöglich ganze Organe liefern können. Das Problem dabei: Sind wirklich alle Zellen, die einem Patienten verabreicht werden, auch genau vom gewünschten Typ? Oder finden sich dazwischen noch Zellen, die im Körper später zu Geschwulsten führen können? Forscher um Micha Drukker von der Stanford University School of Medicine präsentieren nun ein Verfahren, um Stammzellen von anderen, womöglich schädlichen Zellen zu trennen.
Stammzellen befinden sich in einem besonderen, noch sehr flexiblen Stadium. Daher können sie im Labor durch Zugabe verschiedener Signalmoleküle in viele verschiedenen Zelltypen verwandelt werden. Das geschieht mit Tausenden Zellen gleichzeitig. Wenn dabei einige in ihrem nicht entwickelten Zustand verharren, können sie später im Körper mit einer unkontrollierten Entwicklung beginnen. Dann kommt es zu verschiedenen Geschwulsten, den sogenannten Teratomen.
Drukker und sein Team, darunter Jans-Peter Volkmer von der Universität Düsseldorf, fahndeten in ihren Experimenten nach Oberflächenmolekülen, die ausschließlich auf nicht entwickelten Stammzellen vorkommen. Eines davon bezeichnen die Forscher mit dem Kürzel SSEA-5. Zudem gelang es den Stammzellexperten, einen Antikörper zu finden, der sich gezielt an diese Zellen bindet. Damit lassen sich die nicht entwickelten Zellen in der Kultur markieren. Auf diese Weise gelang es der Gruppe, ganze Stammzellkulturen ohne das Potential zum Wachstum von Teratomen zu schaffen.
Dies lässt sich im Experiment mit Mäusen ohne ein Immunsystem prüfen. Ihnen überträgt man Stammzellen und beobachtet, ob sich Teratome bilden. Undifferenzierte Zellen haben dieses Potential, die jetzt gereinigten Zellen kaum noch. Die Liste der sechs Oberflächenmoleküle, die zum Abtrennen der unerwünschten Zellen verwendet werden können, sei vermutlich noch nicht vollständig, schreiben die Forscher.