Moody's zweifelt Großbritanniens Kreditwürdigkeit an
Baku, den 14. Februar (AZERTAG). Großbritannien ist nicht mehr immun gegen die Euro-Krise. Moody's warnt das Land mit klaren Worten vor einem Verlust seiner Top-Bonität.
Für Großbritannien wird der Spielraum als sicherer Schuldner enger. Die Ratingagentur Moody’s äußerte Zweifel an der Bonität der Briten, obwohl sie nicht zur Währungsgemeinschaft gehören. Auch Frankreich und als Drittem im Bunde Österreich stellte Moody’s einen Verlust des Spitzenratings AAA in Aussicht.
Zugleich beurteilte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Italiens und Spaniens, der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Euro-Zone, schlechter und senkte deren Noten. Sie teilen dieses Schicksal mit Portugal, Malta, der Slowakei und Slowenien. Moody’s begründete seinen Schritt mit „einer Reihe von spezifischen Kreditrisiken, für die die öffentlichen Finanzen dieser Staaten besonders anfällig sind“. Die Finanzierungsbedingungen blieben noch mehrere Quartale lang unsicher. Dies habe Folgen für die Kreditwürdigkeit der Staaten.
Euro und britisches Pfund gerieten daraufhin in Fernost unter Druck, dem Aktienhandel ging jeglicher Schwung verloren. „Der negative Ausblick für Großbritannien hat seinen Teil dazu beigetragen. Bisher galt das Land als ziemlich immun, weil es nicht zur Euro-Zone gehört“, sagte Frances Cheung von Credit Agricole CIB in Hongkong.
Großbritannien wertete das Urteil dennoch als Signal dafür, dass es mit seinem Sparkurs auf dem richtigen Weg ist. Die Entscheidung sei ein Beleg dafür, „dass Großbritannien in der gegenwärtigen globalen Lage nicht von seinem Kurs abweichen darf“, erklärte Finanzminister George Osborne. „Dies sollte allen die Augen öffnen, die glauben, dass sich Großbritannien vor seinen Schulden wegducken kann.“ Die konservativ-liberale Regierung hat wegen ihrer Einschnitte an Popularität verloren.
Bei Moody’s hat das Top-Rating AAA von Frankreich, Österreich und Großbritannien nun einen negativen Ausblick. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist. Die Bonität Deutschlands ist dagegen auch aus Sicht von Moody’s über jeden Zweifel erhaben.
Die Agentur bezeichnete die Top-Note AAA für die größte Volkswirtschaft Europas als angemessen und bekräftigte dieses Rating zugleich für die Euro-Staaten Finnland, Luxemburg und die Niederlande sowie für Dänemark. Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF behält bei Moody’s die Spitzenbewertung.
Je kreditwürdiger ein Land oder Anleihe-Emittent gilt, desto günstiger kommt es in aller Regel auf dem Kapitalmarkt an frisches Geld. Zudem sind viele institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen verpflichtet, beim Kauf von Schuldenpapieren ein möglichst geringes Risiko einzugehen.