Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Nordkoreas junger Diktator lässt einen nahen Verwandten töten

Baku, den 14. Dezember (AZERTAG). Nordkoreas junger Diktator lässt einen nahen Verwandten töten. Das brüskiert China und kann noch eine größere Säuberungswelle zur Folge haben.

Es ist eine politische Sprache, deren Drastik man eigentlich in frühere Zeiten einordnet, bei Schauprozessen unter Stalin beispielsweise: Jang Song Taek, immerhin mal so eine Art Nummer zwei im Militärstaat Nordkorea, sei „für alle Zeiten ein Verräter an der Nation“, „verachtenswerter menschlicher Abschaum, schlimmer als ein Hund“, er sei ein korrupter Konterrevolutionär mit einem kapitalistischen Lebensstil, was man allein daran erkennen könne, dass er seit 2009 „pornografische Bilder unter seinen Vertrauten verteilt“ und dass er sich im Ausland „im Kasino amüsiert“ habe. Jangs Ziel sei es gewesen, „die Führung unserer Partei, des Staates und des sozialistischen Systems zu stürzen“. Deshalb, so meldete es die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, wurde Jang jetzt hingerichtet.

Jangs Entmachtung war schon seit ein paar Tagen bekannt. Jung-Diktator Kim Jong Un will offenbar die Macht auf sich und jüngere Anhänger vereinen und keine irgendwie mächtigen grauen Eminenzen neben sich dulden. Jang war mit einer jüngeren Schwester seines Vaters, des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il, verheiratet. Die Tatsache, dass ein Machtkampf auf Leben und Tod in dem engsten Familienzirkel der Kims stattfindet, deutet nicht auf stabile Verhältnisse im Machtgefüge der Diktatur hin. Weitere Hinrichtungen von Personen aus dem Jang-Umfeld sind zudem zu erwarten, was mit Kims Tante geschieht, ist unbekannt, sie soll krank sein.

Möglicherweise hat die Flucht eines Jang-Beraters zum Erzfeind Südkorea das Ende des prominenten Onkels befördert. Dieser Berater hatte Geld Jangs verwaltet und soll auch Wissen über die Verwendung von Vermögen Kim Jong Uns und dessen Vaters und Vorgängers Kim Jong Il haben. Bereits zwischen Ende September und Anfang Oktober soll er nach China geflohen sein und dort bei der südkoreanischen Regierung Asyl beantragt haben, heißt es in südkoreanischen Medien.

Die Verhaftung des prominenten Onkels soll vom zweitältesten Bruder Kim Jong Uns, Kim Jong Chul, geleitet worden sein. Nach einem weiteren Gerücht ist der älteste Bruder Kim Jong Nam von Jang Song Taek darauf vorbereitet worden, die Nachfolge des Jung-Diktators anzutreten. Kim Jong Nam pflegt einen lockeren Lebenswandel und gelangte 2001 zu amüsanter Berühmtheit, als er versuchte, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen, um heimlich Disneyland in Tokio zu besuchen. Die tödliche Hofintrige dürfte daher alles andere als vorbei sein.

Ein Schwager Jangs ist Botschafter in Kuba, ein Neffe Nordkoreas Vertreter in Malaysia, beide wurden jetzt zurückbeordert. Treffen könnte die Hofintrige auch Nordkoreas Botschafter in Peking, Ji Jae Ryong, einen engen Vertrauten Jangs. Die beiden kannten sich bereits seit den späten 1970er Jahren.

Ji hat den Posten in Peking nicht zufällig inne, war doch Jang Song Taek der wichtigste Verbindungsmann für das isolierte Nordkorea zum einzigen und mächtigen Verbündeten China. Gleichzeitig war Jang Fürsprecher vorsichtiger Liberalisierungen in der nordkoreanischen Kommandowirtschaft.

Ganz im Gegensatz zu seinem Neffen reiste Jang regelmäßig nach China, zuletzt war er im August 2012 für sechs Tage dort und traf den damaligen Parteichef Hu Jintao und Premier Wen Jiabao, zu den wichtigsten Themen gehörte die Planung gemeinsamer Sonderwirtschaftszonen (SWZ). Im November verkündeten nordkoreanische Staatsmedien schließlich die Eröffnung von 14 kleinen dieser SWZ, was in China als eine Leistung Jangs angesehen wird.

Chinas neue Regierung unter Parteichef Xi Jinping sieht die bewusste Förderung ökonomischer Reformen in Nordkorea und die gleichzeitige Vertiefung gemeinsamer Wirtschaftsbeziehungen als Schlüssel für eine bessere Kontrolle Pjöngjangs. Dies gilt auch für das selbst in Peking als gefährlich angesehene Atomwaffenprogramm der Kim-Dynastie, wie das Stockholmer SIPRI-Institut zuletzt in einer Studie nachwies.

Eine zentrale Figur dieser Politik war für Peking auf nordkoreanischer Seite Jang Song Taek. Dessen Hinrichtung ist daher ein direkter Affront gegen Chinas Führung. Mit Spannung darf man jetzt dem ersten Staatsbesuch Kim Jong Uns in China entgegensehen. Sofern es diesen offiziell jemals geben wird, denn die chinesische Regierung dürfte nicht besonders gut auf ihn zu sprechen sein. Andererseits kann die nordkoreanische Hofintrige aber eben auch der Anfang vom Ende des Regimes sein.

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