Pflanzen verarbeiten Treibhausgas schneller als angenommen
Baku, den 29. September (AZERTAG). Die Vegetation ist offenbar produktiver als gedacht: Pflanzen nehmen deutlich mehr Kohlenstoff auf als bisher angenommen - und setzen ihn rasch wieder frei. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach der Analyse kurzfristiger Klimaänderungen. Statt 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff betrage die sogenannte globale Brutto-Primärproduktion 150 bis 175 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, schreiben Lisa Welp von der University of California in San Diego und ihre Kollegen im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Computermodelle, die das Klima der Zukunft berechnen, sollten nach Meinung der Forscher entsprechend korrigiert werden.
„Klimamodelle würden viel empfindlicher auf Änderungen der Vegetation reagieren, wenn sie mit den neuen Daten gespeist würden“.
Einen direkten Effekt auf das Verständnis vom Treibhauseffekt hätten die Zahlen aber nicht: „Die neuen Zahlen zeigen lediglich einen höheren CO2-Umsatz“, sagt Cuntz, der an der aktuellen Studie nicht beteiligt war. Der Treibhauseffekt bleibe unverändert - denn die langfristig in Pflanzen gespeicherte Menge an Kohlendioxid steige nicht und werde der Atmosphäre damit auch nicht entzogen.
Die Gruppe um Welp hatte CO2-Messungen aus den vergangenen 30 Jahren ausgewertet. Aufschluss gab die Analyse der Bestandteile des Treibhausgases: Sauerstoff und Kohlenstoff. Beide Elemente gibt es in einer leichten und einer schweren Variante. Je nachdem wie viel CO2 von Pflanzen verarbeitet wird, verändert sich das Verhältnis der CO2-Bestandteile in der Luft.
Die US-Forscher stellten regelmäßige Schwankungen von Jahr zu Jahr und einen Zusammenhang mit El Niño fest, einer monatelangen Wetterschwankung über dem Pazifik. So beobachteten sie, dass sich das Verhältnis der Sauerstoff-Varianten nach El-Niño-Ereignissen schneller normalisierte als bislang angenommen. Das deutet auf eine kürzere Umsatzzeit von Kohlendioxid in der Pflanzenwelt hin, erklärt Cuntz.