Pir-Hussein-Khangah, dessen Zierkacheln von Armeniern gestohlen wurden VIDEO
Hadschigabul, 10. Juli, AZERTAC
Von den einst etwa 400 Derwisch-Orde auf dem Gebiet Aserbaidschans, die den Sufi-Scheichen angehören, ist das Pir-Hussein-Khangah das imposanteste, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Die Anlage wurde im XI. und XIII. Jahrhundert im architektonischen Stil der Schirwaner-Abscheroner Bauschule errichtet und ist seit dem 22. Januar 2004 auf Beschluss des Kulturministeriums als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung eingetragen.
Wie Mähärräm Müslümov, Direktor des Historisch-Architektonischen Schutzgebiets „Pir-Hussein-Khangah“, gegenüber dem AZERTAC-Regionalkorrespondenten Aydin Yavarzade mitteilte, gehört das Pir-Hussein-Khangah zu den seltenen Kunstwerken des XI.–XIII. Jahrhunderts. Es befindet sich am 127. Kilometer der historischen Handels- und Karawanenstraße zwischen Baku und Salyan, im Dorf Gubalibaloghlan des Bezirks Hadschiabul. Im Bezirk sind insgesamt 14 historische Denkmäler registriert, von denen sich 7 innerhalb des Schutzgebiets befinden. Diese umfassen das „Särdabä“ (Gewölbegrab), eine Moschee, ein Minarett, ein Mausoleum, Festungsmauern, einen alten Friedhof und eine Karawanserei.
Laut Quellen besuchte im Jahr 1907 der wissenschaftliche Sekretär des Kaukasus-Instituts in Tiflis, Stepan Ter-Avetisyan, die Anlage zu Forschungszwecken. Er fertigte Zeichnungen und Fotografien der kunstvoll glasierten Zierkacheln (Kaşı) an. Die russische Orientalistin V. A. Krachkovskaja konnte anhand des ihr überlassenen Materials Teile der Inschriften auf den Kacheln rekonstruieren und entziffern. Als Ter-Avetisyan 1913 erneut die Stätte aufsuchte, war ein Großteil der Kacheln bereits verschwunden. Später wurde bekannt, dass diese Zierkacheln in europäischen Museen ausgestellt werden.
Nach anderen Angaben war ein weiterer Armenier namens Käläkyan, ein Händler antiker Kunstgegenstände, gemeinsam mit der Französin Düffanti daran beteiligt, diese Zierkacheln an Museen in Europa zu verkaufen. Heute befinden sich große Teile dieser kunstvollen Baukeramik im Louvre, in der Eremitage in Sankt Petersburg sowie im Museum für die Kulturen des Ostens in Moskau; kleinere Teile sind im Staatlichen Museum von Tiflis erhalten.
Im Bauwerk befanden sich auch mittelalterliche Handschriften aus der Frühzeit, die jedoch während der Sowjetzeit gezielt vernichtet wurden.
Auch die im Areal der Tekke gelegenen Brunnen sind bemerkenswert: Selbst in Zeiten allgemeiner Wasserknappheit führten sie stets Wasser – ein weiterer Beleg für die besondere Bedeutung dieser historischen Stätte.