Privates Teleskop soll die Erdumlaufbahn bewachen
Baku, den 30. Juni (AZERTAG). Das erste private Weltraumteleskop „Sentinel“ soll zwischen Sonne und Erde gefährliche Asteroiden aufspüren. Jahre, gar Jahrzehnte im Voraus soll es erkennen, ob ein Objekt Kurs auf die Erde hält.
Spätestens seitdem vor wenigen Wochen erstmals eine kommerzielle Kapsel vom Typ Dragon an der „Internationalen Raumstation“ (ISS) angelegt hat, ist im All das Zeitalter der privaten Raumfahrt angebrochen. Fluggesellschaften wollen Weltraumtouristen auf Parabelflüge schießen, aufstrebende Firmen die ISS mit Nachschub und Astronauten versorgen - und nun macht sich erstmals ein Konsortium daran, ein privat finanziertes Weltraumteleskop zu bauen und Richtung Sonne zu schießen.
Am Donnerstag hat die B612 Foundation in der California Academy of Sciences in San Francisco ihre Pläne für ein Fernrohr namens „Sentinel“ vorgestellt. Für diese Ankündigung hat sich die Stiftung ein geschichtsträchtiges Datum ausgesucht: Der Grundstein für die Entwicklung dieses Weltraumteleskops, sozusagen seine Rechtfertigung und seine Daseinsberechtigung, wurde heute vor 104 Jahren in der sibirischen Steppe gelegt, am 30. Juni 1908 gegen 7.15 Uhr morgens, irgendwo in der Nähe von Tunguska in der heutigen Region Krasnojarsk.
Explosion mit Dutzenden Megatonnen TNT-Im wahrsten Sinne des Wortes „aus heiterem Himmel“ wurde diese Gegend Russlands für immer verändert. Ein Asteroid aus dem All drang in die irdische Atmosphäre ein und explodierte kurz über dem Boden mit einer Wucht von geschätzt mehreren Dutzend Megatonnen TNT. Die Druckwelle entwurzelte sämtliche Bäume im Umkreis von 30 Kilometern. Noch in der 65 Kilometer entfernten Stadt Wanawara wurden Türen und Fenster eingedrückt. Menschen sind in dieser abgelegenen Gegend nicht zu Schaden gekommen. Diesmal nicht.
„Wir wissen, dass es dort draußen im Weltall ungefähr eine Million Asteroiden gibt, die so groß sind wie der von Tunguska oder sogar noch größer“, sagt Ed Lu, ehemaliger Astronaut in Diensten der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Einige dieser Asteroiden kreuzen regelmäßig die Umlaufbahn der Erde - wie viele, ist unklar, denn erfasst wurden bislang nach Schätzungen weniger als ein Prozent von ihnen.
„Wir müssen unser Wissen über diese Objekte unbedingt vergrößern“, sagt Lu. „Nur so können wir die Gefahr rechtzeitig erkennen, wenn sich ein solcher Himmelskörper auf Kollisionskurs mit der Erde befinden sollte, um Abwehrmaßnahmen einzuleiten.“