Saures Wasser verschärft die Konkurrenz im Meer
Baku, den 11. September (AZERTAG). Sinkt der pH-Wert, so können Kieselalgen, Schnecken und Muscheln ihre Kalkschalen schlechter aufbauen. Zudem behaupten sie sich schlechter gegenüber Arten, die auf Kalk verzichten. Ein Teufelskreis.
Es ist ein verheerender Kreislauf: Je mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, desto stärker versauern die Ozeane, das wiederum macht den Meeresorganismen zu schaffen, deren Skelett oder Organe aus Kalk aufgebaut sind. Denn das saure Wasser löst den Kalk auf. Und nicht nur die direkte Wirkung auf das Kalkskelett, sondern auch das veränderte Kräfteverhältnis zwischen Konkurrenten im Wasser spiele eine Rolle, berichten Forscher nun im britischen Fachmagazin „Nature Climate Change“.
Die Gruppe um Kristy Kroeker von der Hopkins Marine Station der Stanford University in Pacific Grove (US-Staat Kalifornien) hatte das Miteinander von Calciumcarbonat enthaltenden Arten wie den Südlichen Seepocken ( Balanus perforatus) sowie sesshaften mehrzelligen Algen (etwa Seetang) untersucht. Sie setzten die Organismengemeinschaften drei verschiedenen Säurewerten aus: einem den derzeitigen Bedingungen im Mittelmeer entsprechenden pH, einem Prognosen für 2100 entsprechenden und einem noch niedrigeren als Extremszenario.
Experimente mit verschiedenen Säurewerten- Dabei nutzten sie natürliche Standorte an vulkanischen Kohlendioxid-Schloten nahe dem Felseninselchen Castello Aragonese an der Ostseite der Insel Ischia. Aus dem heraussprudelnden Kohlendioxid entsteht im Meerwasser Kohlensäure, die das Wasser in der Umgebung saurer werden lässt. An Stellen mit passendem pH-Wert wurden jeweils 19 Steinfliesen von 15 mal 15 Zentimetern Oberfläche in 0,5 bis 1,5 Metern Tiefe ausgelegt. In regelmäßigen Abständen wurden einige Platten herausgeholt und analysiert, die ersten nach eineinhalb, die letzten nach 14 Monaten.
Die zuletzt geborgenen Platten seien mit ihrem Bewuchs von der Umgebung nicht mehr zu unterscheiden gewesen, schreiben die Forscher. In dem Bereich mit sehr saurem Wasser gab es keine kalkhaltigen Arten, es dominierten Fadenalgen und sogenannter Biofilm, eine Schleimschicht aus Mikroorganismen.
Bei einem ph-Wert, wie er normalerweise im Mittelmeer herrscht, habe sich der Bewuchs aus einer Vielzahl kalkskelettbildender Arten und Seetang zusammengesetzt. Auf den Platten in Wasser mit niedrigerem pH aber verschob sich das Verhältnis zugunsten fleischiger Algen ohne Calciumcarbonat- allerdings passierte das nicht sofort, sondern zeigte sich erst nach einigen Monaten.