Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Thailands König Bhumibol war Entwicklungshelfer

Thailands König Bhumibol war Entwicklungshelfer

Baku, 14. Oktober, AZERTAC

Mehr als 70 Jahre war Bhumibol König von Thailand. Millionen seiner Untertanen verehrten ihn - und seine Hündin. Sein Tod könnte das Land ins Chaos stürzen.

Khun Tongdaeng wurde als Straßenhund in Thailand geboren. Sie war eigentlich dazu bestimmt, in engen Gassen herumzustromern und nach Essbarem zu suchen. Doch der König selbst nahm sich ihrer an, ließ sie in seinem Palast wohnen und machte sie zu seiner ständigen Begleiterin. Er verfasste sogar ein Buch über sie, darin preist er ihre Folgsamkeit, Treue und Klugheit.

Damit beschrieb Thailands jetzt verstorbener König Bhumibol Adulyadej nicht nur seine Hündin - auch seine Untertanen stellte er sich so vor. Die waren ihm während seiner mehr als 70 Jahre währenden Regentschaft tatsächlich treu ergeben. Keiner wurde mehr vom Volk verehrt als Bhumibol. Für viele Menschen war er nicht nur die oberste Autorität im Land, für sie verkörperte er Thailand. An fast jeder Straßenecke, in Wohnungen und Cafés sind Bilder des Monarchen aufgestellt. Zu seinem Geburtstag oder zu Jubiläen ertrinkt das Land fast in Gelb, der Farbe des Königshauses.

Bhumibol wurde zu einer einigenden Instanz in einem Land, das immer wieder von Unruhen und Putschen erschüttert wird. Während seiner Amtszeit erlebte er mehr als 15 erfolgreiche oder gescheiterte Putsche mit, unterschrieb mindestens ebenso viele Verfassungen und ernannte Dutzende neue Regierungschefs. Auf ihn jedoch konnten sich sogar die verfeindeten Lager als Respektsperson einigen. Er war die ewige, die einzige Konstante.

Bhumibol wurde zu Rama IX - Seine Schul- und Studienzeit verbrachte der spätere König Thailands im schweizerischen Lausanne. Dorthin war seine Mutter mit ihren Kindern gezogen, nachdem der Vater früh verstarb. Auch er war als junger Mann ins Ausland gegangen und hatte in Harvard Medizin studiert, Bhumibol wurde in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts geboren.

Ein Heimatbesuch der Familie 1946 veränderte das Leben des damaligen Prinzen Bhumibol: Sein 20 Jahre alter Bruder Ananda, der 1935 zum König ernannt worden war, wurde leblos in seinem Zimmer gefunden. Er kam durch einen Kopfschuss ums Leben - ob er sich selbst umbrachte oder ermordet wurde, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Bhumibol wurde gekrönt und damit zu Rama IX., dem neunten König der Chakri-Dynastie, die seit 1782 die thailändischen Monarchen stellt.

Bhumibol wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten extrem populär - was nicht nur eine Folge seiner Regentschaft war, sondern auch vom Palast gesteuert wurde. So wird seine fast gottgleiche Stellung schon in den Schulbüchern gelehrt, vor jedem Kinofilm wird die Königshymne abgespielt. Das Publikum erhebt sich dann von den Plätzen und bekommt Bilder vom König zu sehen, der durchs Land reist und dem die Menschen zujubeln.

Palast, Royalisten und Militär sind miteinander verflochten - Auch mithilfe der Justiz wird das Volk zur Königstreue angehalten: In Thailand gilt ein strenges Gesetz, das Majestätsbeleidigung unter schwere Strafe stellt. Laut Artikel 112 des Strafgesetzbuches wird das "Diffamieren" oder "Beleidigen" von Angehörigen der Königsfamilie - einschließlich des Hundes - mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet pro Beleidigung. Es ist der strengste Paragraf dieser Form in der Welt, Menschenrechtler sprechen von einer "besorgniserregenden Unterdrückung".

Vor allem das Militärregime, das sich im Frühjahr 2014 an die Macht geputscht hatte, nutzte den Artikel zur Majestätsbeleidigung oft. Zwar war Bhumibol ein konstitutioneller Monarch, dennoch hatte er durchaus Einfluss auf die politischen Geschicke des Landes. Der Palast, die Royalisten und das Militär sind eng miteinander verflochten. Die Armee lässt gewählte Regierungen immer wieder durch Staatsstreiche absetzen.

Bhumibols ganz eigene Mission war die eines Entwicklungshelfers. Als solcher reiste er durch sein Land und ließ sich über die Lebensbedingungen der Bevölkerung unterrichten. Auf vielen Bildern dazu sieht man ihn mit einer Fotokamera um den Hals - seine große Leidenschaft. Eine weitere war die Jazzmusik. Er spielte Saxophon, Klarinette und Trompete und trat früher mit Legenden wie Louis Armstrong und Duke Ellington auf.

Spekulationen über die Thronfolge - Wie es nach dem Tod des Monarchen, der einzigen Konstante des Landes, weitergeht, darüber darf in Thailand nicht spekuliert werden, das könnte bereits als Majestätsbeleidigung ausgelegt und bestraft werden. Das Land wird nun zunächst in große Trauer fallen. Militärmachthaber Prayut Chan-O Cha rief eine einjährige Staatstrauer aus. Thailand könnte nach der Trauer durch das entstandene Vakuum erneut ins Chaos stürzen. Experten gehen im schlimmsten Fall von Unruhen aus, die sich bis zum Bürgerkrieg auswachsen könnten.

Der vorgesehene Thronfolger, Kronprinz Maha Vajiralongkorn, genießt nämlich nicht den gleichen Rückhalt im Volk wie sein Vater. Der 63-Jährige gilt als Lebemann, war drei Mal verheiratet und hat etliche Skandale ausgelöst. Er bat sich am Donnerstag um einen Aufschub um zu trauern, sagte Premierminister Prayuth Chan-ocha. Der Kronprinz sei mit den Pflichten eines Königs bereits vertraut und werde sie übernehmen, wenn "die geeignete Zeit kommt".

Das dritte Kind von König Bhumibol und Königin Sirikit, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, ist weit populärer, deswegen wird darüber spekuliert, ob nicht vielleicht sie die Thronfolge antreten könnte.

Wie diese Frage entschieden wird, liegt nun nicht mehr in der Macht von Bhumibol. Er starb zehn Monate nach seiner geliebten Hündin Khun Tongdaeng, im Dezember 2015 war sie friedlich eingeschlafen. Auf vielen Bildern im Land werden sie nun wieder zusammen zu sehen sein.

Nach dem Tod des tief verehrten Königs Bhumibol Adulyadej von Thailand hat die Militärregierung jede Spekulation über die Thronfolge sofort ausgeräumt. Der 64-jährige Kronprinz Vajiralongkorn folge seinem Vater auf den Thron, gab Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha am Donnerstag in einer Fernsehansprache bekannt. Er ordnete ein Jahr Staatstrauer an.

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