Tragödie in zwei Akten
Baku, den 23. Dezember (AZERTAG). 11. März 2011, 14.46 Uhr: Im Pazifik vor der japanischen Küste bebt die Erde. Die folgende Tsunami-Welle reißt bis zu 20.000 Menschen in den Tod, zermalmt ganze Städte - und lässt das AKW Fukushima explodieren. Bis heute tut sich das Land schwer, die Katastrophe aufzuarbeiten.
Freitag, 11. März 2011, 14.46 Uhr, 380 Kilometer nordöstlich von Tokio im Pazifischen Ozean: In 60 Kilometern Tiefe unter der Wasseroberfläche entlädt sich in Bruchteilen einer Sekunde eine gewaltige Spannung zwischen zwei Kontinentalplatten. Eine von ihnen, die japanische, macht einen Ruck nach oben und versetzt die Wasseroberfläche in Bewegung.
Die Folgen: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und riesige Wellen, die sich in Richtung der japanischen Küste wälzen. Zu häuserhohen Monstern aufgetürmt schwappen sie über das Land und richten unverstellbare Verwüstungen an. Sie bringen den Tod: In den Listen der Behörden werden heute rund 20.000 Tote und Vermisste gezählt.
Die japanische Nation steht noch unter Schock, als sich in diesen schmerzlichen Momenten eine zweite Katastrophe anbahnt, die für immer mit der Geschichte des Landes verknüpft sein wird: Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi fällt durch das Beben und den Tsunami - die Welle ist viel höher als die Schutzmauer des AKW - der Strom aus. Um 15.41 Uhr setzen auch die Notstromaggregate aus.
Plötzlich ist ein Alptraum Realität: Die Reaktoren sind ohne Kühlung, der Druck in den Kernen steigt unkontrolliert.
Alle Bemühungen, den GAU zu verhindern, scheitern: Am 12. März um 15.36 Uhr explodiert Block 1. Die Wasserstoffdetonation zerreißt das Dach, und eine radioaktive Wolke steigt in die Luft. Zwei weitere Explosionen ereignen sich in den nächsten drei Tagen. Was folgt ist eine endlose Kette von fatalen Ereignissen, die über Wochen und Monate das vorherrschende Thema in den Medien werden werden.
Im Umkreis von 30 Kilometern um das AKW wird eine Sperrzone eingerichtet. Wegen der Radioaktivität müssen mehr als 100.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Sie ziehen zu Verwandten oder Freunden oder wohnen seither in Zwischenbehausungen. Zurückgelassen haben die Flüchtigen ein Areal voller Geisterstädte, die niemand mehr betreten darf. es wird noch Jahrzehnte dauern, bis das Gebiet wieder bewohnbar sein wird und die Menschen in ihre Heimat zurückkehren können.
Die nukleare Katastrophe stürzte das Land ins Chaos - und sie hat das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung erschüttert, die den Menschen stets versichert hatte, dass es keine Atomunfälle geben werde. Aber der GAU kam doch, und plötzlich übten selbst die sonst zurückhaltenden Japaner Kritik. Der Zorn, gemischt mit einer tiefen Trauer, führte sie zu Tausenden auf die Straße, um gegen Atomkraft zu demonstrieren.