Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

UN-Kompromiss als Hoffnung für Klimaschutz gefeiert

Baku, den 13. Dezember (AZERTAG). Der in einem dramatischen Endspurt erzielte Kompromiss des UN-Klimagipfels ist weltweit als Hoffnungssignal im Kampf gegen die Erderwärmung gefeiert worden.

"Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch US-Präsident Barack Obama würdigte die Beschlüsse als Fortschritt. Viele zeigten sich dagegen schlicht erleichtert, dass die Klima-Diskussion zumindest vor ihrem Kollaps bewahrt wurde und die Kluft zwischen Arm und Reich verkleinert werden konnte. Nach dem Treffen im mexikanischen Cancun herrschte aber auch Einigkeit darüber, dass die Welt beim Klimaschutz noch einen langen Weg vor sich hat.

Die Delegierten erklärten zum Ziel, die Klimaerwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu beschränken. Sie vertagten aber ihre Verhandlungen über die dafür notwendige Verringerung von Treibhausgasen. Nach einer nächtlichen Marathonsitzung erklärte die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa: "Dies ist eine neue Ära der internationalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel".

Espinosa setzte sich als Präsidentin des Gipfels über den erbitterten Widerstand Boliviens hinweg und brachte damit die Einigung durch. Bolivien hatte sich gegen eine Einigung gesträubt, die eine steigende Durchschnittstemperatur akzeptiert und damit nach Ansicht des Landes Opfer des Klimawandels in Kauf nimmt. Forscher führen die Erderwärmung auf den Ausstoß von Treibhausgasen zurück und erwarten in den kommenden Jahrzehnten mehr Überschwemmungen, Dürreperioden und den Anstieg der Meeresspiegel.

Bei der Bewältigung dieser Folgen des Klimawandels will die Weltgemeinschaft die Entwicklungsländer unterstützen: Die Delegierten vereinbarten einen "Grünen Klimaschutz-Fonds", aus dem ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar in die ärmeren Länder fließen, sowie Waldschutz und eine Zusammenarbeit bei der Umwelttechnik.

Der Kompromiss wurde möglich, weil Verhandlungen über die Zukunft für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokolls vertagt wurden. Darin haben sich fast 40 Industrieländer verpflichtet, ihre Treibhausgase von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Sie verlangen nun eine stärkere Beteiligung vor allem von Schwellenländern. Staaten wie China, Brasilien und Indien wehren sich aber dagegen, die Aufholjagd ihrer Wirtschaften mit Vereinbarungen zum Klimaschutz zu einzuschränken.

Damit war der Gipfel zwei Wochen lang von der Spaltung zwischen Arm und Reich geprägt. Zum Schluss erklärten aber auch Staaten wie China oder die USA - die beiden größten Klimasünder - ihre Zustimmung. US-Präsident Obama sagte, die Einigung baue auf dem Kompromiss von Kopenhagen auf und bringe den Kampf gegen den Klimawandel voran. Obama war maßgeblich am Gipfel in Kopenhagen im vergangenen Jahr beteiligt, dessen Ziele in Cancun festgezurrt wurden. Kopenhagen wurde aber weitgehend als Enttäuschung gewertet, so dass die Erwartungen nur gering waren.

Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, sprach dennoch von einer historischen Einigung. Bundesumweltminister Norbert Röttgen würdigte die Vereinbarungen als wichtiges Fundament auf dem Weg zu einem Klima-Abkommen. "Cancun hat die Erwartungen erfüllt. Die Staatengemeinschaft hat sich als handlungsfähig erwiesen." Das gesamte Paket sei angenommen worden. Damit entstehe wieder Vertrauen in den UN-Prozess. "Ich glaube, dass das heute ein sehr, sehr großer Erfolg ist für den Klimaschutz." Die Maßnahmen seien aber unzureichend.

Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem kleinen, aber wichtigen Schritt. Die Vereinbarung sei aber "noch lange nicht der Wurf, den man braucht, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wertete das Abschlusspapier als Zeichen der Hoffnung. Wendel Trio von Greenpeace erklärte aber: "Cancun hat vielleicht den Prozess gerettet, das Klima aber noch nicht."

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