Veranstaltung zur aserbaidschanischen Poesie und Kunst literarischer Übersetzung in Wien
Wien, 23. Januar, AZERTAC
Im Aserbaidschanischen Kulturzentrum in Wien fand eine Veranstaltung statt, die der aserbaidschanischen Poesie und der Kunst der literarischen Übersetzung gewidmet war.
Wie AZERTAC berichtet, standen dabei das literarische Erbe des Volksdichters, Dramatikers und Literaturwissenschaftlers Bakhtiyar Vahabzade sowie das Wirken des herausragenden Übersetzers Hanspeter Achmed Schmiede, der sich besondere Verdienste um die Übersetzung der aserbaidschanischen Literatur ins Deutsche erworben hat, im Mittelpunkt.
Die Veranstaltung gliederte sich in zwei Hauptteile: die Präsentation eines Buches mit Werken von Bakhtiyar Vahabzade sowie die feierliche Verleihung des „Achmed-Schmiede-Preises“ für literarische Übersetzungen aus dem Aserbaidschanischen ins Deutsche.
Bei ihrer Eröffnungsrede betonte die Direktorin des Aserbaidschanischen Kulturzentrums, Leyla Gasimova, dass derartige literarisch-kulturelle Initiativen eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der humanitären Beziehungen und des kulturellen Dialogs zwischen Aserbaidschan und den deutschsprachigen Ländern spielen. Sie hob hervor, dass das Schaffen Bakhtiyar Vahabzade ein reiches geistiges Erbe darstelle, das die Ideen nationaler Identität, Freiheit und kultureller Selbstfindung in sich vereine, und dass dessen qualitätsvolle Vermittlung an das europäische Publikum von besonderer Bedeutung sei.
Es wurde darauf hingewiesen, dass der vorgestellte Band „Ich bin ein Sohn Aserbaidschans“ Übersetzungen von H. A. Schmide enthält, die zuvor in verschiedenen Publikationen erschienen sind, ebenso wie Übersetzungen von Michael Reinhard Hess und Yusif Savalan.
Im Rahmen der Veranstaltung hielt der renommierte Turkologe Michael Reinhard Hess einen Vortrag über das Werk Bakhtiyar Vahabzade. Er würdigte den Dichter als einen der größten aserbaidschanischen Poeten des 20. und frühen 21. Jahrhunderts und betonte, dass dessen Poesie auf den Ideen nationaler Einheit, Freiheit und kultureller Selbstbehauptung beruhe.
Hess führte aus, dass Vahabzades Werke sich nicht allein auf die Poesie beschränkten, sondern auch seine Tätigkeit als Wissenschaftler, Publizist, gesellschaftlicher Aktivist und politische Persönlichkeit umfassten. All diese Bereiche hätten einem gemeinsamen Ziel gedient – dem Schutz und der Stärkung der nationalen Identität des aserbaidschanischen Volkes. Hervorgehoben wurde zudem, dass der Dichter in seinen Werken Motive der aserbaidschanischen Volksliteratur meisterhaft mit modernen poetischen Formen verband.
Der Wissenschaftler sprach auch die während der Sowjetzeit entstandenen Werke an und betonte, dass es Vahabzade selbst unter den Bedingungen ideologischer Zensur gelungen sei, durch doppelte Bedeutungen, Symbolik und historische Reminiszenzen seine nationale Haltung zum Ausdruck zu bringen. Seine Werke „Gülüstan“ und „Widersprüche“ spiegelten die Themen Teilung, Freiheit und Gerechtigkeit in der Geschichte Aserbaidschans in tiefgründiger poetischer Sprache wider.
Anschließend wurde ein Auszug aus dem Poem „Gülüstan“ in der Stimme des Dichters selbst präsentiert, gefolgt von der deutschen Übersetzung dieses Abschnitts durch M. R. Hess.
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war dem Leben und Wirken von Hanspeter Achmed Schmiede gewidmet, der eine herausragende Rolle bei der Vermittlung der aserbaidschanischen Literatur im deutschsprachigen Raum spielte. Es wurde hervorgehoben, dass der professionelle Übersetzer bereits in jungen Jahren ein tiefes Interesse für die aserbaidschanische Literatur entwickelte, enge Kontakte zu wissenschaftlichen und literarischen Kreisen knüpfte und bedeutende Beiträge zur Übersetzung des Epos „Kitabi-Dede Korkut“, der aserbaidschanischen Poesie und folkloristischer Werke leistete. Sein Interesse für Bakhtiyar Vahabzade führte zu einer tiefen Freundschaft zwischen beiden.
Der Sohn des Übersetzers, Hassan Ingo Schmide, sprach über die Liebe und das Interesse seines Vaters zu Aserbaidschan sowie zur türkischen und islamischen Welt insgesamt. Er teilte persönliche Erinnerungen als Augenzeuge der Reisen seines Vaters nach Baku und von Bakhtiyar Vahabzade nach Berlin und präsentierte Fotografien aus dem Familienarchiv. Gezeigt wurden Aufnahmen von H. A. Schmide mit aserbaidschanischen Intellektuellen sowie von seinen Reisen nach Baku und Scheki. Hassan Schmide dankte für die Würdigung des Lebenswerks seines Vaters und äußerte die Hoffnung, dass dieses reiche wissenschaftlich-literarische Erbe durch neue Bücher und Studien an die kommenden Generationen weitergegeben werde.
Einer der Höhepunkte der literarisch-künstlerischen Veranstaltung war die Verleihung des „Achmed-Schmide-Preises“ für literarische Übersetzungen aus dem Aserbaidschanischen ins Deutsche. Es wurde betont, dass der Preis der Förderung der Übersetzungskultur, der Unterstützung qualitativ hochwertiger literarischer Übersetzungen sowie der Vertiefung der literarischen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und den deutschsprachigen Ländern dient.
Den Wettbewerbsergebnissen zufolge belegte Yusif Savalan, Dozent an der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität, Dichter und Übersetzer, den dritten Platz (für die Übersetzung von Gedichten des Volksdichters Musa Yagub), Michael Reinhard Hess den zweiten Platz (für die Übersetzung der Erzählung „Der sich nicht öffnende Regenschirm“ der jungen Autorin Samira Aschaf), und Nilufar Mammadzade, ebenfalls Dozentin an der Aserbaidschanischen Sprachenuniversität, wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet (für die Übersetzung des Werkes „Wer bin ich?“ von Ahmed bey Agaoglu). Den Preisträgern wurden Ehrenurkunden überreicht.
Mit Blick auf die Zukunft des Wettbewerbs wurde darauf hingewiesen, dass die alle zwei Jahre verliehenen ausgezeichneten Übersetzungen künftig in Buchform veröffentlicht werden sollen. Bereits bei der ersten Ausgabe fanden mehrere bemerkenswerte Übersetzungen besondere Beachtung, insbesondere die Arbeit der jungen Übersetzerin Raschida Asgarli (Übersetzungen von Erzählungen von Süleyman Sani Akhundov), die von der Jury hoch bewertet wurde.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Konzertprogramm mit musikalischen Werken nach Texten von Bakhtiyar Vahabzade. Kompositionen von Elza Ibrahimova, Khayyam Mirzazade und Emin Sabitoglu wurden von in Wien lebenden Musikern – dem Pianisten Abuzar Manafzade und dem Vokalisten Farhad Soltani – dargeboten.
Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmenden als ein bedeutender Beitrag zur internationalen Förderung der aserbaidschanischen Literatur, der literarischen Übersetzungskunst und der kulturellen Diplomatie hoch gewürdigt.