Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Weltweit könnten schon bald Tausende Gletscher pro Jahr schmelzen

Weltweit könnten schon bald Tausende Gletscher pro Jahr schmelzen

Baku, 17. Dezember, AZERTAC

Die Anzahl der Gletscher schrumpft weltweit. Wie viele in den kommenden Jahrzehnten schmelzen könnten, hat sich ein Team der ETH Zürich genauer angesehen. Ihr Fazit: Je nach Klimaszenario würden zwischen den Jahren 2041 und 2055 jährlich zwischen 2000 und 4000 solcher Eisströme verschwinden, schreibt das internationale Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“. Besonders betroffen sind demnach Regionen mit kleineren Gletschern, darunter die Alpen, der Kaukasus und die äquatornahen Anden.

Das Team mit Fachleuten auch aus Österreich, Großbritannien, Belgien und den USA prognostizierte anhand von vier verschiedenen Klimaszenarien die Folgen bis zum Ende des Jahrhunderts für jene mehr als 210.000 Gletscher, die in der Datenbank Randolph Glacier Inventory (RGI) aufgeführt sind. Rund 3200 davon liegen in Mitteleuropa, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.

Die jeweiligen Szenarien gehen von einer Erwärmung bis zum Jahr 2100 im Umfang entweder von 1,5 Grad, von 2,0 Grad, von 2,7 Grad oder von 4,0 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit aus. Als verschwunden gilt ein Gletscher nach Angaben des Teams dann, wenn die Eisfläche entweder unter 10.000 Quadratmeter oder aber unter 1 Prozent der Ursprungsfläche sinkt. In Regionen wie den Alpen, wo kleinere Gletscher dominieren, werden demnach in den kommenden beiden Jahrzehnten mehr als die Hälfte aller Gletscher verschwinden.

Von 3200 Gletschern in Mitteleuropa auf 20? - Bei der geringsten prognostizierten Erderwärmung um 1,5 Grad werden demnach schon um das Jahr 2041 weltweit etwa 2000 Gletscher pro Jahr schmelzen. In diesem 1,5 Grad-Szenario würden bis Ende des Jahrhunderts noch knapp die Hälfte der heutigen etwa 211.000 Gletscher (rund 96.000) verbleiben, davon knapp 430 in Mitteleuropa.

Dieses milde Klimaszenario gilt allerdings unter Klimafachleuten inzwischen als äußerst unwahrscheinlich. Bei einer Erwärmung um 4,0 Grad verschiebt sich das Maximum des zahlenmäßigen Gletscherschwunds der Studie zufolge auf Mitte der 2050er Jahre: Dann würden pro Jahr etwa 4000 Gletscher verschwinden. Nach diesem Maximum sinkt der Gletscherschwund demnach bis zum Jahr 2100 auf etwa 700 bis 1200 pro Jahr. Im Jahr 2100 gäbe es dann weltweit noch etwas mehr als 18.000 Gletscher – und in Mitteleuropa nur noch 20. Insgesamt wären das weltweit weniger als zehn Prozent der heutigen Gletscher.

Das Team räumt ein, dass seine Prognosen auf Klimamodellen basieren und entsprechende Unsicherheiten aufweisen. Studien zur Entwicklung von Gletschermassen und -flächen basierten dagegen stärker auf direkten Messungen. „Die Chronik des maximalen Gletscherschwunds steht noch nicht fest“, schreibt die Gruppe. „Ob wir bis Mitte des Jahrhunderts pro Jahr 2000 oder 4000 Gletscher verlieren, hängt von der kurzfristigen Politik und den heute getroffenen gesellschaftlichen Entscheidungen ab.“

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