Wie das Ozonloch über der Arktis verschwand
Baku, den 31. Mai (AZERTAG). Gute Nachrichten aus der Arktis: Das gigantische Ozonloch, das Forscher im vergangenen Jahr aufgeschreckt hat, ist verschwunden. Menschliches Wohlverhalten war allerdings nicht im Spiel - das Wetter ist für die Heilung des Schutzschirms verantwortlich.
Nach der Mittagspause dürfen Rudolf Denkmann und seine Kollegen nicht trödeln. Pünktlich jeden Tag um eins lassen die Forscher der deutsch-französischen Forschungsstation Awipev in Ny Ålesund auf Spitzbergen vor einer hohen roten Holzhalle ihren Ballon zur Wetterbeobachtung steigen. Selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stapft Denkmann dieser Tage im T-Shirt durch den Schnee.
Beeindruckend schnell steigt der heliumgefüllte Ballon nach dem Start in den Himmel. Auf dem Weg in die Stratosphäre funkt ein zigarettenschachtelgroßer Radiosender ständig Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte nach unten. Wegen des sinkenden Luftdrucks dehnt sich der Ballon immer mehr aus - bis er in mehr als 30 Kilometern Höhe platzt.
Mindestens einmal pro Woche lassen die Awipev-Leute einen Ballon aufsteigen. Im Sommer ist es jeden Mittwochmittag soweit. Dazu kommen weitere Starts auf Anfrage von Forschern. “Wir müssen uns an ein striktes Protokoll halten”, sagt Stationsleiter Denkmann, ein rothaariger und -bärtiger Franzose. An dem Fluggerät hängt dann etwas, das wie ein Vogelhäuschen aus Styropor aussieht. Tatsächlich verbirgt das Kästchen jedoch ein elektrochemisches Mini-Labor, Stückpreis: rund tausend Euro.
Die Messungen dieser Sonde helfen den Forschern dabei, das Schicksal der Ozonschicht zu verfolgen, die schädliche UV-Strahlung von der Erdoberfläche fernhält. Der Schutzschirm bereitet regelmäßig Sorgen. Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler erstmals ein großes Ozonloch über der Arktis gemessen. Sein Ausmaß erschreckte selbst Experten: In der Region zwischen 18 und 20 Kilometern Höhe waren etwa 80 Prozent des Ozons verschwunden. Zeitweise war das Loch mit zwei Millionen Quadratkilometern fast sechsmal so groß wie Deutschland. Menschen in Skandinavien, Kanada und Nordrussland mussten auf ihren Sonnenschutz achten oder riskierten eine erhöhte Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken.