Wo die Erde rütteln wird
Baku, den 7. April (AZERTAG). Viele dieser Regionen sind dicht besiedelt, sie liegen zudem häufig an Küsten und sind tsunamigefährdet. Zunächst in den Industrieländern, dann jedoch mehr und mehr in Schwellen- und Entwicklungsländern haben sich Megacitys gebildet, weil die Bevölkerung dort kräftig zulegt und Landflucht die Menschen in die Städte treibt.
Die weltweit höchste Erdbebengefahr haben Geowissenschaftler indes nicht in einer Megacity ausgemacht, sondern in einer „nur“ Einmillionenstadt: in Nepals Hauptstadt Kathmandu.
Höchst gefährdet sind auch Delhi und Mumbai, Manila, Islamabad, Teheran, Jakarta und Bandung, Karatschi, Istanbul und Izmir, Bogota, Mexiko Stadt, Guatemala Stadt, San Salvador, Quito und Lima.
In Industrieländern neben Tokio auch Los Angeles. Obwohl der Großraum Tokio vielfach größer ist als Kathmandu, dürfte es in Kathmandu weit mehr Tote geben. Geschuldet ist dies vor allem der einfachen Bauweise der Häuser. Wenn es um Megabeben in Metropolregionen geht, ist von „The Big One“ die Rede - „das Große“, das nach geologischer und statistischer Analyse in den kommenden Jahrzehnten ansteht. Die Gefahr ist bekannt, doch wann und wo es genau passieren wird, lässt sich nicht vorhersagen.
Im Moment blickt alle Welt auf Japan - der havarierten Reaktoren wegen. Seismologen wollen dagegen wissen, ob das Beben vor der Stadt Sendai einen Einfluss auf die Gefährdung von Tokio hatte. Forscher der Universität Kyoto und des Geologischen Dienstes der USA haben kurz nach der Katastrophe versucht, diese Frage zu beantworten.
Doch die Ergebnisse seien uneindeutig, sagt der Seismologe Professor Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam: „Die neuen Spannungskarten zeigen kleinräumige Unterschiede. Für den Großraum Tokio insgesamt kann man zurzeit keine Veränderung ausmachen.“
Deshalb gilt bis auf Weiteres, was Wissenschaftler schon zuvor abgeschätzt haben. Einige kommen auf knapp 20 Prozent Wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Jahren für ein Beben der Magnitude 7,9. Eine andere Analyse berechnete 35 bis 40 Prozent für ein Magnitude-7,3-Beben.
Aus der Zeit vor dem aktuellen Sendai-Beben sind manchem noch die Erdstöße in der Region um die japanische Stadt Kobe im Jahr 1995 in Erinnerung. Gut 6400 Menschen starben, 100 Milliarden Dollar an Sachwerten wurden bei einer Magnitude von 6,9 vernichtet. Weit stärker war mit einer Magnitude von 7,9 das Beben, das 1923 Yokohama und das benachbarte Tokio erschütterte. Mehr als 140.000 Menschen verloren damals ihr Leben. Seither ist die Metropolregion von neun auf 35 Millionen Bewohner angewachsen, die Höhe der Sachwerte hat sich vervielfacht.
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