Yahoo droht Facebook mit Patentklage
Baku, den 28. Februar (AZERTAG). Das Timing könnte für Facebook nicht schlechter sein. Kurz vor dem geplanten Börsengang des sozialen Netzwerks droht Konkurrent Yahoo mit einer Patentklage. Laut „Financial Times“ versucht der angeschlagene Online-Pionier offenbar so, Geld in die Kasse zu bekommen.
Es soll einer der spektakulärsten Börsengänge aller Zeiten werden - nun wird er von einer möglichen Patentklage überschattet. Laut „Financial Times“ („FT“) wirft Yahoo dem weltgrößten Online-Netzwerk Facebook Rechteverletzungen vor und dürfte dafür Entschädigung verlangen.
Konkret gehe es um 10 bis 20 Patente, berichtet die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Sie deckten Bereich wie Funktionen von Online-Netzwerken, Werbung und Personalisierung ab. „Wir müssen darauf bestehen, dass Facebook ein Lizenzabkommen eingeht. Oder wir werden gezwungen sein, die Schritte zu unternehmen“, schrieb Yahoo in einer E-Mail an die „FT“.
Facebook und Yahoo sind Konkurrenten im Geschäft mit Werbung im Internet. Facebook ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen und hatte zuletzt 845 Millionen Nutzer und einen Jahresumsatz von vier Milliarden Dollar. Yahoo gilt als Online-Pionier und war in den neunziger Jahren eines der wichtigsten Internet-Unternehmen. Zuletzt hatte die Firma jedoch Schwierigkeiten, mit Rivalen wie Google und Facebook schrittzuhalten.
Die „Financial Times“ erinnerte daran, dass Yahoo auch vor dem Google-Börsengang 2004 die Patentkeule herausgeholt hatte. Damals habe sich Google mit 2,7 Millionen Aktien aus der Affäre gezogen, die an Yahoo gingen. Eine laufende Patentklage wäre für Facebook ein Hindernis auf dem Weg an die Börse. Insider sagten der Zeitung allerdings, Yahoo versuche nicht den Börsengang zu torpedieren. Der neue Chef Scott Thompson versuche lediglich, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Geld hereinzuholen, hieß es.
Während Yahoo darbt, boomt Facebook umso mehr. Der Firmenwert wird auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzt, rund das 100-fache vom aktuellen Jahresgewinn. Der Börsenwert von Facebook soll demnach so groß sein wie die von Siemens, RWE, ThyssenKrupp und der Lufthansa zusammen.
Die astronomische Facebook-Bewertung ist vor allem eins: eine Wette auf die Zukunft. Investoren spekulieren, dass das Unternehmen bald eine Multimilliarden-Dollar-Idee findet - oder mit den zuletzt angestoßenen Neuerungen bereits gefunden hat. Preistreiber ist die Hoffnung auf ein Geschäftsmodell, das rasantes Wachstum nicht nur bei den Nutzerzahlen ermöglicht, sondern auch bei Umsatz und Gewinn.
Patente sind eigentlich dazu gedacht, technischen Fortschritt zu fördern. Es soll sich lohnen, Zeit und Geld in die Entwicklung neuer Produkte zu investieren. Erfindungen müssen deshalb gegen Plagiate geschützt werden. In der IT-Branche jedoch mutieren Patente immer öfter zu strategischen Waffen. Statt zur Verteidigung werden sie zunehmend genutzt, um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen - oder um abzukassieren.