Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

18 Wisente aus dem Berliner Tierpark nach Aserbaidschan umgesiedelt

Berlin, 30. Januar, AZERTAC

Im Rahmen des Projekts zur Wiederansiedlung von Wisenten, das auf Initiative von Leyla Aliyeva von der öffentlichen Vereinigung IDEA gemeinsam mit dem Ministerium für Ökologie und Natürliche Ressourcen sowie der aserbaidschanischen Vertretung des World Wide Fund for Nature (WWF) umgesetzt wird, sind per Frachtflugzeug und Lkw sind 18 Wisente aus Deutschland zur Auswilderung in Aserbaidschan umgesiedelt worden. Zwölf Tiere kommen aus dem Tierpark Berlin, sechs weitere aus einem Wisentprojekt im Rothaargebirge in der Stadt Bad Berleburg Nordrhein-Westfalen, wie AZERTAC mitteilt.

Die bis zu 1.000 Kilogramm schweren Wisente sollen sich zu Beginn in einem Auswilderungsgehege im Shadagh Nationalpark im Norden Aserbaidschans eingewöhnen. Nach einigen Monaten werden sie dann vollständig in die Freiheit entlassen.

AZERTAC berichtet, dass der Versand von Wisenten nach Aserbaidschan vom aserbaidschanischen Botschafter in Deutschland, Nasimi Aghayev, dem Direktor des Berliner Tierparks, Dr. Andreas Knieriem, sowie Vertretern weiterer zuständiger Institutionen begleitet wurde.

Wisente waren über Jahrhunderte hinweg Teil der reichen Natur Aserbaidschans. Diese massigen Wildrinder galten seit der Antike als Symbol der Stärke. Davon zeugen auch die Darstellungen wilder Wisente auf den Felsen von Gobustan. Aufgrund einer ineffektiven Bewirtschaftung der Population ist diese Art in Aserbaidschan ausgestorben. Der letzte Wisent im Kaukasusgebirge wurde 1927 getötet. In den letzten Jahren haben Forschungen führender Wissenschaftler aus der Region und der ganzen Welt ergeben, dass in der Natur unseres Landes geeignete Bedingungen für Wisente vorhanden sind.

Seit Ende 2012 wird von der öffentlichen Vereinigung IDEA, dem Ministerium für Ökologie und Natürliche Ressourcen sowie der aserbaidschanischen Vertretung des WWF intensiv daran gearbeitet, Wisente wieder in die Wildnis unseres Landes einzuführen. Auf Grundlage eines Kooperationsabkommens zwischen der öffentlichen Vereinigung IDEA und dem Shadagh Nationalpark im Norden Aserbaidschans wurden im Ismayilli-Abschnitt des Shahdagh Nationalparks 305 Hektar Fläche für die Wiederherstellung ausgestorbener Wisente und deren Wiederansiedlung in der Natur des Landes sowie für die wissenschaftlich begründete Vermehrung anderer Wildtierarten bereitgestellt. In diesem Gebiet wurde ein Komplex errichtet, der der Zucht von Wisenten und ihrer anschließenden Auswilderung dient.

Seit Mai 2019 werden Wisente aus verschiedenen Ländern, darunter auch aus Deutschland, nach Aserbaidschan gebracht. Diese Tiere durchlaufen erfolgreich die Anpassungsphase, es wird ein natürlicher Zuwachs unter ihnen beobachtet, und nach Abschluss der Akklimatisierungszeit werden sie aus speziellen Anpassungszonen in die freie Wildbahn entlassen.

Der aserbaidschanische Botschafter in Deutschland, Nasimi Aghayev, sagte in einem Interview mit Medienvertretern folgendermaßen: „Ja, wir sind heute hier im Tierpark Berlin und sind Zeugen eines wichtigen Ereignisses. Seit 2019 wird mit Unterstützung der Organisation IDEA gemeinsam mit Deutschland ein sehr schönes Projekt umgesetzt. So werden Wisente aus Zoos in Deutschland sowie in verschiedenen Ländern Europas nach Aserbaidschan gebracht, dort freigelassen und in die Natur zurückgeführt. Dies ist ein Ausdruck des hohen Stellenwerts, den Aserbaidschan der biologischen Vielfalt und dem Umweltschutz beimisst. Gleichzeitig ist dies ein schönes Beispiel für die Partnerschaft zwischen Aserbaidschan und Deutschland.“

Die Wisente wurden im Berliner Tierpark auf Transportfahrzeuge verladen, nach Frankfurt gebracht und von dort aus in unser Land weitertransportiert. Nach ihrer Ankunft in Aserbaidschan werden diese Wisente zunächst für eine gewisse Zeit in Gehegen gehalten. Nach Abschluss der Anpassungsphase werden sie in die freie Natur entlassen.

Dr. Andreas Knieriem, Direktor des Tierparks Berlin sagte: folgendermaßen „In Berlin haben wir zwei große Zoos, im Zoologischen Garten Berlin, im Tierpark Berlin. Und wir sind heute im Tierpark Berlin, weil hier ist tatsächlich das Zentrum des Transportes von Wisenten übrigens schon seit sehr, sehr vielen Jahren. Und heute ist zwar ein sehr winterlicher Tag, mit nicht wirklich guten Bedingungen für uns, weil wir können schlittern. Aber den Tieren geht es gut und es ist auch eine trotzdem sehr gute Zeit, sie nach Aserbaidschan zu bringen. Wir reden hier heute von 12 Tieren, die verladen werden. Das findet hinter mir statt. Wir halten ein bisschen Abstand, weil das immer auch ein gewisser aufregender Moment ist, auch für unsere Mitarbeiter, weil dort sind Tierärzte, Biologen, die Pfleger und vor allem die Tiere, die alle gerne und freiwillig in jeweils ihre eigene Kiste dann gehen sollen und hinter ihnen wird dann eine Tür geschlossen und sie müssen natürlich in dieser Kiste auch gerne und freiwillig noch bis nach Aserbaidschan gebracht werden. Wie geht das Transportieren? Diese Tiere wurden ja jetzt lange Zeit schon vorbereitet auf diesen Transport, auf Futter, auf das Wasser und dass sie eben auch in einer Kiste sein wollen. Aber wenn dann einmal sie auf dem Transporter sind, auf einem LKW, dann werden sie zum Flughafen gebracht. Das ist bei uns eben der Frankfurt-Hahn-Flughafen. Von dort geht es in eine Frachtmaschine direkt nach Baku und dort wieder auf einen Lkw und so werden sie dann in die richtige Region gebracht. Und das ist natürlich heute, ja, heute muss alles passen. Heute zeigt es sich, dass wir so erfahren sind und dass tatsächlich das alles hintereinander wie am Schnürchen sozusagen dann auch funktionieren muss. Jede einzelne Kiste ist passend für jeweils das richtige Tier übrigens auch an- oder hergestellt worden. Und insofern muss jetzt jedes Tier nacheinander in eine Kiste verbracht werden. Und dann wollen wir heute mal schauen, dass wir vielleicht schon heute Nachmittag oder am frühen Abend schon Richtung Frankfurt fahren. Das Ganze ist noch komplizierter, weil wir gleichzeitig aus dem Rothaargebirge bei Bad Berleburg auch noch in dem Falle heute fünf oder sechs Tiere auch in Kisten bringen. Da ist unser zweites Team und das wird auch nach Frankfurt bringen. Und beide treffen sich nachher in Frankfurt am Flughafen und werden dann in die Maschine verbracht.

Es sind dann so, wir schätzen, entweder sind es insgesamt 17 oder sogar vielleicht auch 18 Tiere, die wir diesmal nach Aserbaidschan bringen. Das ist die größte Anzahl von Wisenten, die wir jemals auf einem Transportflug gehabt haben. Also schon ein großes Unterfangen. Ja, also das ist nur ein Teil von dem großen Projekt. Ja, es ist heute der Tag. Ich habe heute den Tag besprochen, was heute stattfindet. Ja, und wir sind schon sehr geübt darin. Also schon viele Transporte sind ja nach Aserbaidschan gebracht worden. Insgesamt waren es dann 46 Tiere, die aus verschiedensten zoologischen Gärten gekommen sind. Einige hier auch aus dem Tierpark, aber es sind auch andere Zoos dabei aus Deutschland oder eben aus Tschechien. Das sind die meisten Tiere aus Tschechien und aus Deutschland. Aber diese 46 Tiere, die mittlerweile ja zusammen auch in Aserbaidschan sind, haben bereits schon einige Jungtiere bekommen. Also aus 46 Tieren wurden mittlerweile heute ja etwas um die 70, 72 Tiere, die derzeit in Aserbaidschan sind. Und mit dem Transport, den wir heute noch dazu addieren, sind um fast 90 Tiere in Aserbaidschan. Also Aserbaidschan hat bereits schon eine richtig tolle Wisentpopulation und ich würde mich freuen, wenn wir in den nächsten Jahren noch etwas dazu bringen können, viele weitere Jungtiere in Aserbaidschan geboren werden und dann ist wirklich Aserbaidschan unter den ganz großen Wisenthaltern, was wichtig für die Natur ist und für den Erhalt der Natur und für die Tierart. Und insofern möchte ich auch hier an diesem Punkt nochmal herzlichen Dank sagen. Dafür nicht nur, dass das so wunderbar funktioniert miteinander, sondern ich sehe eben, dass es tatsächlich echte Zusammenarbeit zwischen zwei Ländern ist. Und insofern sage ich einfach noch mal herzlichen Dank, auch an Aserbaidschan, dass sie sich zu einem so hervorragenden Kooperationspartner entwickelt haben. Vielen Dank.“

Es ist vorgesehen, das Projekt bis zum Jahr 2028 fortzusetzen und die Zahl der Wisente auf 100 Tiere zu erhöhen. Obwohl das Projekt auf die Rückführung der Wisente in unsere Natur ausgerichtet ist, gehört auch die Steigerung des öffentlichen Bewusstseins zu seinen zentralen Schwerpunkten. Zu diesem Zweck werden regelmäßig verschiedene Bildungs- und Aufklärungsmaßnahmen für Schülerinnen und Schüler organisiert, darunter auch Sommercamps.

Nach Fast-Ausrottung heute wieder rund 10.000 Wisente

Früher waren Wisente in ganz Europa verbreitet, wie Tierpark und WWF erklärten. Doch im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Tiere in der Wildnis Europas ausgerottet und überlebten ausschließlich in zoologischen Einrichtungen. 1927 sei der letzte Wisent im Kaukasus erschossen worden. Auch die Abholzung von Wäldern habe den Tieren geschadet.

Mithilfe von Schutz- und Zuchtprogrammen existieren laut WWF heute weltweit wieder rund 10.000 Wisente, sowohl in zoologischen Einrichtungen als auch in Naturreservaten und in der Wildnis. Der WWF und der Tierpark Berlin leiten seit 2019 ein Wiederansiedlungsprojekt für Wisente. Der aktuelle Umzug der 18 Tiere sei die größte einzelne Umsiedlung seit Beginn des Projekts, hieß es.

Laut WWF sind Wisente die größten Landsäugetiere Europas. Männliche Tiere können bis zu 1.000 Kilogramm, weibliche bis zu 700 Kilogramm wiegen. Die wilden Rinder erreichen eine Schulterhöhe von bis zu zwei Metern. Sie leben in Herden mit etwa zehn bis zwölf Tieren. Die Männchen sind ab einem Alter von drei Jahren als Einzelgänger unterwegs.

Elvin Mövsüm

AZERTAC-Sonderkorrespondent

Berlin

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