Aserbaidschan feiert traditionelles Frühlingsfest Novruz
Baku, 20. März, AZERTAC
In Aserbaidschan wird das traditionelle Frühlingsfest Novruz gefeiert. Mit dem Fest, das auf jahrtausendealte Wurzeln zurückgeht, begrüßen die Menschen die Tagundnachtgleiche und den Beginn des Frühlings.
Novruz gilt als eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse des Landes und symbolisiert Erneuerung, Hoffnung und Neuanfang. Landesweit werden Feuer entzündet, über die Menschen traditionell springen, um sich symbolisch von Sorgen und Unglück zu befreien. Festlich gedeckte Tische mit Süßspeisen wie Pakhlava und Schäkärbura sowie das Anpflanzen von grünem Weizen (Samani) gehören zu den zentralen Bräuchen.
Die Feierlichkeiten beginnen bereits Wochen zuvor mit den sogenannten vier Dienstagen, die den Elementen Wasser, Feuer, Wind und Erde gewidmet sind. Auch Spiele und volkstümliche Rituale prägen die Festtage.
Novruz wird seit über 3.000 Jahren nicht nur in Aserbaidschan, sondern in zahlreichen Ländern der Region gefeiert. Sein Ursprung liegt in der vorislamischen Zeit. Noivruz steht seit 2010 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Die Vereinten Nationen haben den 21. März zudem zum Internationalen Novruz-Tag erklärt. Die Generalversammlung weist in ihrer Erklärung darauf hin, dass “Novruz ein Frühlingsfest ist, das von mehr als 300 Mio. Menschen seit mehr als 3000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird“. Am 30. September 2009 hatte die UNESCO den Novruz-Tag in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Laut einer Mythologie reicht Novruz sogar 15.000 Jahre zurück. Damit wäre es das älteste, noch heute gefeierte Fest der Welt.
Ein offizieller Feiertag ist Novruz in Aserbaidschan, im Iran, Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, teilweise und inoffiziell in Pakistan, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, in der Türkei, in Usbekistan (zwei Tage), Georgien (ein Tag) und Indien bei den Parsen (als Jamschidi-Fest).
Die Menschen besuchen Nachbarn und Freunde, um einander alles Gute zu wünschen und Geschenke auszutauschen.
Der wichtigste aller Novruz-Bräuche ist das Zusammenstellen des Haft-Sin. Haft-Sin ist eine traditionelle Tischdekoration, die im Zuge des Novruz-Festes in vielen Haushalten in Aserbaidschan, im Iran und in anderen Ländern gefeiert wird, in denen Novruz gefeiert wird. Jedes dieser Gegenstände symbolisiert eine bestimmte Hoffnung oder Segnung für das kommende Jahr. Der Name bedeutet wörtlich "Sieben S" und bezieht sich auf sieben spezifische Gegenstände, die mit dem Buchstaben "S" beginnen. Die sieben Gegenstände, die typischerweise auf dem Tisch platziert werden, sind: Sumach (eine säuerliche Frucht, oft Granatapfel, die für Fröhlichkeit und Freude steht), Sirka (Essig, der für das Alter und die Geduld steht), Süd (Milch), Samani (grün sprießender Weizen), das Fruchtbarkeit und Wohlstand repräsentiert“, Su (Wasser), Sabzeh (Weizen-, Gersten- oder Linsensprossen, die das neue Leben und das Wachstum symbolisieren), Senjed (die getrockneten Früchte des Wilden Weißdorns, die Liebe und Zuneigung symbolisieren), Sarimsag (Knoblauch, der für Gesundheit und Heilung steht).

Novruz ist ein Frühlingsfest. Es wurde zum Symbol des Frühlings. Das Novruzfest ist eine Zeit der Versöhnung, ein neuer Anfang. Alte Feindschaften, Kränkungen, Sorgen, aber auch Ängste werden der Vergangenheit überlassen. Nicht umsonst wurde es zu einer Tradition am Novruz über das brennende Feuer zu springen, um die Ängste und negative Empfindungen hinter sich im alten Jahr zu lassen. Die Feuersprung-Tradition ist neben dem Festmahl ebenfalls ein fester Bestandteil des Novruz. Die Menschen springen über kleine Lagerfeuer, die auf den Straßen entzündet werden. Dieses Ritual findet am letzten Mittwoch vor Novruz statt und symbolisiert das Zurücklassen aller Blässe. Die Menschen nehmen das lodernde Rot des Feuers mit sich. Das Feuer gibt dabei sein Leuchten und seine Lebenskraft ab, während alles Negative im Feuer verbleibt.
Vier Wochen vor dem Novruz-Fest, etwa vom 25. Februar bis 20. März, wird jeden Dienstag das Kommen des Frühlings gefeiert. Dieser Brauch geht auf den Glauben zurück, dass die Welt und der Mensch aus vier Ur-Elementen, nämlich Wasser, Feuer, Luft und Erde besteht. Nach den vier Urstoffen werden auch die vier Dienstage benannt: der Wasser-Dienstag, der Feuer-Dienstag, der Luft-Dienstag und der Erde-Dienstag.

Der wichtigste der Dienstage ist Ilachir Tscharhschanba (letzter Dienstag) oder Erde-Dienstag. Der letzte Dienstag, also Ilachir Tscharhschanba wurde dieses Jahr in Aserbaidschan am 17. März gefeiert.
Am letzten Dienstag knospen die Bäume und der Frühling kommt an.
Traditionsgemäß sollen alle Familienmitglieder am Ilachir Tscharhschanba zu Hause bleiben, keine Besuche erhalten oder Gäste annehmen. Sie sagen: “Wer am Ilachir Tscharhschanba nicht im Haus ist, verbringt sieben Jahre auf Wanderschaft".