Bezahl-Projekt App.net will Twitter Paroli bieten
Baku, den 10. September (AZERTAG). Keine Werbung, keine Datensammelwut - dafür aber kostenpflichtig. App.net nennt sich eine neue Twitter-Alternative. Ein ernsthafter Versuch oder ein eitler Privatkrieg gegen soziale Netzwerke?
Dalton Caldwell ist Web-Unternehmer und stellte in der Vergangenheit mit „imeem“ und „picplz“ bereits zwei Online-Dienste auf die Beine, die mittlerweile jedoch nicht mehr verfügbar sind.
Caldwell ist außerdem Fan von sozialen Netzwerken, ärgert sich aber darüber, dass Giganten wie Facebook und Twitter vor allem das Geldverdienen in den Fokus ihrer Bemühungen rücken, was dazu führt, dass die Entwicklung beider Dienste sich an den Bedürfnissen der Werbekunden und nicht an den Wünschen der Nutzer orientiert, so Caldwell.
Als Facebook-Manager anlässlich eines Treffens angeblich damit drohen, Caldwells Entwicklerfirma platt zu machen, weil er sich gegen eine Übernahme sträubt, reift die Idee, ein eigenes soziales Netzwerk zu errichten, in dem der Nutzer im Mittelpunkt steht.
Crowdfunding führt zum Erfolg-Gesagt, getan: Caldwell bittet im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion Nutzer um Geldspenden, damit er seinen neuen Dienst namens „App.net“ aufbauen kann. Die Resonanz ist riesig; deutlich vor Ablauf der Einzahlungsfrist kommen die angepeilten 500.000 US-Dollar zusammen.
Mit diesem Geld finanziert das App.net-Team den Aufbau des Netzwerks. Die Summe gilt jedoch nur als Anschubfinanzierung. Um App.net dauerhaft erfolgreich zu betreiben, müssen regelmäßige Einnahmen generiert werden.
Keine Werbung, wenn der Nutzer zahlt-Da sich App.net auf die Fahnen geschrieben hat, für immer auf Werbung zu verzichten, sondern sich stets um die Wünsche seiner Nutzer zu kümmern, entwickelt Caldwell ein Gebührenmodell:
Wer 50 Dollar einzahlt, erhält einen Jahreszugang zu App.net. Entwickler erhalten für 100 Dollar jährlich Zugang zu den Programmierschnittstellen und werden so in die Lage versetzt, zum Beispiel Smartphone-Apps oder Desktop-Software für App.net zu entwickeln.
Start der Alpha-Phase-Derzeit läuft die sogenannte Alpha-Phase, in der das Team eine Vorabversion von App.net zur Verfügung stellt. Wer teilnehmen möchte, reserviert sich zunächst einen Zugang.
Während dieser Registrierung geben Sie bereits Ihre Kreditkartendaten ein. App.net verspricht, die vorher erwähnte Gebühr erst dann abzubuchen, wenn der Zugang tatsächlich freigeschaltet ist, was eine Zeitlang dauern kann.
Wer „nur mal schauen“ möchte, findet den Alpha-Kanal im Internet. Auf den ersten Blick unterscheidet sich App.net nicht von Twitter. Nutzer posten Beiträge, die sie mit sogenannten Hashtags versehen und auf die andere Mitglieder reagieren. Derzeit wirkt das Ganze noch ziemlich provisorisch; ein finales Design liegt noch nicht vor.